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Kurzbeschreibung

Fotogr. von Erika Schmied. Mit einem Essay von Hans Höller


Manchmal fuhr Bernhard auch mit einem Traktor, der zu seinem Bauernhof in Obernathal gehörte, durch das Aurachtal, um Möbel in die "Krucka" zu bringen. Zufälige Begegnungen für Gespräche über Land und Leute waren ihm immer recht.

Bernhard erlebte auf seinen Fahrten, dass die kleine Aurach bei Hochwasser plötzlich zu einem reißenden Fluss werden konnte, über die Ufer trat und die Straße überflutete. Höllers Haus an dieser gefährdeten "Aurachengstelle", dazu die ungewöhnliche Arbeit des Tierpräparators spielten für die Entstehung des Romans "Korrektur" eine entscheidende Rolle.

In seinem Roman "Korrektur" schildert Bernhard, dass der Tierpräparator Höller sein Haus bewusst an die gefährlichen Aurachengstelle gebaut hat, um den Naturgewalten zu trotzen. Im Höllerhaus hat der Naturwissenschaftler Roithamer die Idee zu einem "verrückten" Bauwerk. Einen Kegel zu entwerfen, jenes seiner Schwester zugedachte absolute Bauwerk als Kunstwerk, das er dann in der Mitte des Kobernaußerwaldes ausgeführt hat.

In der Aurach, liest man in "Korrektur", herrscht nie Stille. Hier hört man ununterbrochen das Getöse des Wassers, aber das habe dem Höller nichts ausgemacht, "es war vielmehr seine Absicht zu erklären, und bat darum, einen Blick in die Werkstatt tun zu dürfen.

Höller, der Bernhard für einen potenziellen Kunden hielt, zeigte bereitwillig seine Arbeit in der Werkstatt. Präparatur, eine Tätigkeit, die ihn fasziniert haben dürfte.

In "Korrektur" blickt der Erzähler wie gebannt von der Dachkammer hinunter in die Werkstatt: "Immerfort beobachtete ich von meinem Fenster oben, von der Höllerschen Dachkammer aus, wie der Höller unten in seiner Werkstatt den riesigen schwarzen Vogel ausstopfte..."

Bernhard kam wieder und wollte oben im Haus das Zimmer sehen, das auf die Aurach hinausgeht.


Rezensionen
ORF Radio Österreich 1: Der Tierpräparator Höller

"Alfred Höller - Zoologischer Präparator" lautet die Aufschrift eines Hauses im oberösterreichischen Aurachtal, das einem kaum weiter auffallen würde, befände sich neben dem Schriftzug nicht eine Wandmalerei im Stil der 50er Jahre. Ein Elch ist das Sujet des Frescos. Von einem auf einer Leiter stehenden Mann wird dem großen Tier von hinten das Fell abgezogen. Seine vier Hufe sind, so merkt man bei genauerem Hinsehen, auf einen Sockel geschraubt. In den 1970er Jahren sprang das solcherart verzierte Haus des Aurachtaler Ausstopfers dem Schriftsteller Thomas Bernhard ins Auge. Er machte es zum Schauplatz des Romans "Korrektur". Und erhob es damit, so der Germanist Hans Höller, zu weltliterarischer Bedeutung.

Sein Haus "mitten in das Getöse der Aurach" hineingebaut zu haben, "an der gefährlichsten Stelle der Aurach", der "Aurachengstelle" zwischen Reindlmühl und Pinsdorf nämlich, brachte Höller die Bewunderung Bernhards ein. 1971 stattete der Schriftsteller dem mit baulichem Wagemut gesegneten Präparationsmeister einen ersten Besuch ab. Und machte es sich zur Gewohnheit, in dessen Dachkammer zu sitzen und auf den rauschenden Fluss zu schauen.

Gemeinsam mit der Fotografin und Bernhard-Wegbegleiterin Erika Schmied hat Hans Höller nun für den Verlag "Bibliothek der Provinz" das Buch "Thomas Bernhard und der Tierpräparator Höller" gestaltet. Zu sehen sind darin auch zahlreiche Schwarzweiß-Porträts, die Erika Schmied in dem von Alfred Höllers Tochter Patricia und seine Frau Elfriede gegründeten "Tierweltmuseum" aufgenommen hat.

(Ankündigung zur Ö1-Sendung „Leporello“ vom 2. November 2011, Gestaltung: Franziska Dorau)


http://oe1.orf.at/programm/287435