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Kurzbeschreibung

Fotos: Bernhard Kittel. Text: Doris Kittel


Südsee - ein Paradies auf der anderen Seite der Erdkugel. Bis heute ist die Südsee kein eindeutig definierter geografischer Begriff. Der Name geht auf den Spanier Vasco Nunez de Balboa (1475 - 1517) zurück. Er stieg 1513 in Panama auf einen Berg und erblickte von dort aus als erster Europäer den Pazifik. Ihm gab er den Namen „mar del sur" - Meer des Südens. Der Pazifik bedeckt als größtes Meer fast ein Drittel der Erdoberfläche. Die durchschnittliche Tiefe des größten Weltmeeres beträgt 4.200 Meter. Seine tiefste Stelle im Marianengraben misst 11.022 Meter und bildet so den tiefsten Einschnitt in die Erdkugel. Aus dem Pazifik ragen Tausende kleine Inseln heraus, die Bergspitzen eines abgesunkenen Urkontinents. Wie viele Inseln im Pazifik existieren, hat vermutlich noch niemand gezählt, denn ihre Zahl ändert sich ständig.

Aus kultureller Sicht umfasst das Gebiet „Südsee" folgende Inselbereiche: Polynesien, die „Welt der vielen Inseln", Mikronesien, die „Welt der kleinen Inseln", Melanesien, die „Inseln der Schwarzen". Zu Melanesien wird auch Papua-Neuguinea gerechnet. Dieser Teil der Südsee galt lange Zeit wegen seiner Kultur und dem verbreiteten Kannibalismus als besonders gefährliche und wilde Gegend.

Gemeinsam war allen drei Kulturen ein Gesellschaftssystem, das auf Häuptlingsaristokratien basiert, ähnlich dem alten europäischen Feudalsystem. Wie dort im Adel gab es hier mehrere Hierarchien von Häuptlingen bis hin zu Königen ganzer Inselreiche. Der Häuptlingsrang blieb aber nicht nur Männern vorbehalten. Trotzdem sind die Südseegesellschaften heute noch patriarchalisch geprägt. Mann und Frau haben im Dorf unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen. Während die Männer auf Jagd oder zum Fischen gehen, Boote und Häuser bauen und alle sogenannten „wichtigen" Entscheidungen treffen, sind die Frauen „nur" für die Kinder und den Anbau von Obst und Gemüse verantwortlich. Als Draufgabe kochen sie die Mahlzeiten und beschäftigen sich mit Handarbeiten. In Europa glaubte man in der Südsee das Ideal einer konfliktfreien Naturgesellschaft gefunden zu haben, was natürlich nicht stimmte. Denn auch die Südseeinsulaner führten seit jeher Kriege, Clan gegen Clan. Kannibalismus war, vor allem in den melanesischen Kulturen, Bestandteil des Lebens, glaubte man doch den Verzehr des Gegners sich Stärke und Macht aneignen zu können.

Von Anfang an vermutete man, dass die ersten Einwohner der Südsee aus Südostasien kamen, vom westlichen Rand des riesigen Ozeans. Die natürlichen Landbrücken und Inselketten reichen von Indonesien über Papua-Neuguinea bis tief in den Pazifik hinein. Das Inselspringen war also auch mit einfachen Wasserfahrzeugen möglich. Für diese allgemein anerkannte Theorie sprechen die Sprachverwandtheit, die Ähnlichkeit in der Kultur und der Tier- und Pflanzenwelt. Auch mündliche Überlieferungen und Ausgrabungen haben Spuren hinterlassen, die von den heutigen Südseebewohnern auf die Ursprünge in Südostasien weisen.

Melanesien: Die „schwarzen Inseln" sind benannt nach den dunkelhäutigen Bewohnern mit ihren krausen Haaren und negroiden Gesichtszügen. Die Bewohner Polynesiens sind zum Unterschied zu den westlichen Nachbarn hellhäutig und groß gewachsen. Wegen des ebenmäßigen Körperbaues und der feinen Gesichtszüge werden sie von den europäischen Entdeckern auch als „Griechen des Pazifiks" bezeichnet. Der Mythos von der Südsee geht hauptsächlich auf die Begegnung mit dieser polynesischen Kultur zurück. Die Inseln Fidschis bilden den fließenden Übergang zwischen Melanesien und Polynesien. Die Mikronesier sind ebenso hellhäutig, haben jedoch einen Schuss mehr asiatisches Blut in den Adern als die Polynesier. Man vermutet, dass sie sich von Taiwan in südöstlicher Richtung in den Pazifik ausbreiteten und vermutlich auch mit Polynesiern mischten.