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Schwarz oder weiß?

Eine Reise mit dem LKW durch die Wüste und den Regenwald Afrikas ; eine Reise zu mir selbst

Brigitte Hantschk-Vavra

ISBN: 978-3-900878-56-6
22 x 22 cm, 72 S., zahlr. Ill., Kt.
€ 22,00
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Kurzbeschreibung

7. Oktober 1989

Abfahrt von der Arena im 3. Wiener Gemeindebezirk um 0.30 Uhr. So lange bin ich noch nie nach Kärnten gefahren - um ungefähr 8 Uhr früh sind wir in Arnoldstein. Das Auto, ein MAN-Diesel-Lkw, fährt langsam, noch dazu müssen drei Biertrinker dauernd pinkeln. Nach 24 Stunden dauernder Fahrt Ankunft ca. 60 km südlich von Florenz. Mit meinem Italienisch schaffe ich es, einen Saal für uns zum Schlafen zu organisieren, um nicht die Zelte aufstellen zu müssen. Die drei Fahrer, die sich in den zwei Lkw abwechseln, leisten Unwahrscheinliches; nicht nur 24 Stunden hinter dem Lenkrad, die eineinhalb Nächte und Tage vor der Abfahrt haben sie noch an den Lkw durchgearbeitet. Für uns alle, 24 Teilnehmer, gibt es ein Arbeitsradi in fünf alternierenden Gruppen: 1. Security 2. Küche 3. Holzbeschaffung 4. Zeltplatz herrichten 5. Sand schaufeln. Diese Gruppeneinteilung sollte aber bald anderen Einteilungsversuchen weichen.

Ich bin anfangs mit vier anderen beim Küchentrupp. Zum Essen gab's gestern abend nichts, da wir nach einer Irrfahrt, um den Campingplatz zu finden, zu spät angekommen waren, …Die Reise nach Afrika - auch eine Reise in mich, zu mir (wieder??) finden … was ich eigentlich bin, was im letzten Jahr immer mehr verloren ging. Ich muß die Welt von Hütteldorf für drei Monate hintanstellen, in mich selbst horchen, nachher fällt vielleicht, hoffentlich nicht, wahrscheinlich …? alles wieder über mich herein… Die Abfahrt von zu Hause war lustig: Martina, Niki, Anna, Oliver, Marci, Isabelle... Christian drückte mich „ich geb dir Wärme". Und wieder bin ich es - ich ziehe mich zurück, anstatt offen zu sein.

Der Taxler, der mich zur Arena brachte: „Nein, was denken Sie sich dabei. Ihr Mann … - das muß ich sofort meiner Frau erzählen; die war noch nie alleine nach neun Uhr abends weg; die will das gar nicht. Wahrscheinlich haben S' zu wenig zum arbeiten … no das muß i meiner Frau erzählen. Erklären S'ma des, i versteh' des net, na bitte, erklären S'mirs." Ich kann's und will es so einem nicht erklären. Auf der Suche nach Afrika, nach mir. Welche Rolle wird Afrika in meinem Leben sein?


8. Oktober

Nach einer weiteren Nachtfahrt um 10.15 Uhr bei der Fähre vom Festland Italien in Messina angekommen. Bis Jetzt sind wir mit Ausnahme von den verschiedenen Klostopps und einer siebenstündigen Nacht ohne Pause unterwegs. Gestern kochten wir auf einem Parkplatz unser erstes Essen: Spaghetti mit Knoblauch und Olivenöl … Das Essen spielt eine untergeordnete Rolle während dieser Reise, z.B. gestern Frühstückskaffee und irgendwann später ein Butterbrot, abends Spaghetti, heute noch kein Frühstück, nur rollend unterwegs … Bei einer Klopause haben wir Bettina vergessen, die uns zehn Minuten später in einem Laster hupend überholt.

Gestern gab's die ersten Gespräche über die Bankreihen. Thomas übersiedelte mit einer Flasche Rotwein in unseren Lkw, und erzählte über seinen Job beim UNI-ON-Reisebüro als Reiseleiter, aus dem er wegen dreimaligen Vergessens von Reiseteilnehmern geflogen war. Ein lustiger Typ, der Welthandel „auf dem Papier" studiert und sein Leben frei genießt, z.B. im Oktober Paradeisernte auf Kreta. Mein Sitznachbar Ernst war Bauleiter der Donaukraftwerke. Wir sprechen über Hainburg, wo er auch Bauleiter war und über private Kraftwerke. Er meint zu Hainburg, daß die Au durch die Donauregulierungen ohnehin austrocknen wird, die Fauna zwar teilweise während der Bauzeit abwandert, dann aber wieder einzieht. Er erzählt, daß das Wasserverfahren deshalb rechtlich nicht durchging, weil die Gemeinden die beteiligten Bauern zu den Verhandlungen nicht einluden (Absicht?). Das hätte zwar nachgeholt werden können, das Thema war aber inzwischen aus dem Sachlichen ins Politische übergegangen …