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Kurzbeschreibung

Peter Kraft. Peter Huemer, Bildkompositionen


Der Wiener Stephansdom ist vielleicht unter allen Fragmenten, die Österreichs Kultur je hervorgebracht hat, das zur höchsten Vollendung gelangte. Der allseits bewunderte, riesige Bau steckt dennoch voller Widersprüche und Vergeblichkeiten im Lauf seiner Geschichte. Das Wunder des Südturms, das zeichenhaft für die ganze Domkirche steht, erscheint makellos gelungen, trotz ständig wechselnder Baugerüste, Verkleidungen und geschickt angebrachter Reklameschriften. Sein gekappter Zwilling, der renaissancebehelmte Nordturm, mahnt nichtsdestoweniger seinen Anteil an der Fragmentgeschichte ein.

"Die fahlen, weißen Wolken treiben unter der schwarzen Himmelsdecke gegen Nordost. Jetzt stößt ein Falke vom Turm ab und segelt mit reglosen Schwingen schräg zum Stock-im-Eisen-Platz hinüber. Nördlich und westlich hellt es sich auf. Das Abendlicht bricht durch die Wolkenschlitze. Der Himmel über dem steilen Kirchendach spielt ins Weißgraue. Achtzehn Uhr zwanzig. Der Falke, wieder von Nord im obersten Turmstück auf einer Krabbe landend. Ein zweiter Falke umkreist die funkelnde Spitze, rüttelt gegen den starken Wind, lässt sich blitzschnell fallen, kreist, kommt wieder außer Sicht."



Rezensionen
Reinhold Tauber: Die Festung Gottes als Lebens-Achse

Der Publizist Peter Kraft und der Bild-Künstler Peter Huemer schufen gemeinsam ein Buch über einen österreichischen Kultur-Kristallisationspunkt: den Wiener Stephansdom.

Kein symbolischer „Leuchtturm“ der kirchlichen Welt in Österreich durfte bzw. darf höher sein als der architektonische Himmelstürmer in Wien. Der Stephansdom lässt im Inneren noch immer Fragen um inhaltliche und formale Rätsel stellen, sein Untergrund durchwühlt wie ein Myzelium das Stadtzentrum und ist eine Toten-Welt für sich, die zum kleinen Teil begehbar ist.

Der aus Wien stammende Peter Kraft, versierter Autor auf vielen Segmenten der Belletristik und der Publizistik, umkreiste jahrzehntelang diese symbolträchtige „Festung Gottes“, diesen Magneten der Religionswelt, der Kulturgeschichte, der Emotion.

Kraft durchwanderte ihn oft und oft, stieg die 343 Stufen im Hauptturm hoch und studierte wie Adalbert Stifter das Stadt-Rundpanorama, mit Impulsen der Erinnerung an die eigene Jugend, mit Verflechtungen und Assoziationen zu Geschichte und Religionsgeschichte.

Ein Konzentrat aus seiner großen, jahrzehntelang aufgebauten Notizen-Sammlung zu diesem, seinem emotionalen Reizthema ist nun in Buchform gegossen. Dem Leser öffnet sich darin eine extrem verdichtete Denk-Welt. Die Intensität wirkt nur beim Konsum in kleinen Dosen richtig, nicht beim Lesen in „einem Zug“.

Der Schrift-Teil des Buches „Rätsel Stephansdom“ ist sowohl Poesie als auch Ausfluss assoziativer Lebens-Philosophie, Religions-Betrachtung sowie höchst persönlich dank eingebundener Elemente eigener Erinnerung.

Das Buch hat jedoch noch eine zweite Dimension. Der Linzer Künstler Peter Huemer ließ in langem gemeinsamen Arbeitsprozess mit dem Autor adäquate Bildkompositionen in Multimedia-Technik entstehen. Diese Bilder lassen die meditationsstarke Bindung des Schriftstellers an die äußere und innere Bedeutung des Riesen-Bauwerks optisch nachvollziehen. Gleichzeitig strahlen sie aber auch als selbstständige Bildserie ihre inhaltliche und formale, vielschichtig wirksame Faszination auf den Betrachter aus.

„Rätsel Stephansdom“ ist ein im Format kleines, im geistigen Gehalt vielfältiges, groß dimensioniertes, besonderes Buch.

(Reinhold Tauber, Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, 1. Februar 2013)


http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/buchrezensionen/Die-Festung-Gottes-als-Lebens-Achse;art272,1052526

Christine Grüll:

Muße braucht dieses Buch. Dann öffnet der Autor Peter Kraft den Blick auf einen Stephansdom, der von Neuem entsteht: Ein durchscheinendes Gebilde aus philosophischen Betrachtungen, Erinnerungen und historischem Wissen, das dem Dom eine weitere Ebene verleiht. Die Bildkompositionen von Peter Huemer begleiten den literarischen Text wie Splitter eines Bildes vom Dom. „Bei meinen täglichen und nächtlichen Rundgängen um den Dom ... kam es mir oft genug vor, als hätte ich Umgang mit einem riesigen ... auf die Erde herabgestürzten und dort ausgeglühten Meteorstein.“

(Christine Grüll, Rezension in: KirchenZeitung Diözese Linz, 6.3.2013)


http://www.kirchenzeitung.at/newsdetail/rubrik/tipps-um-dranzubleiben-raetsel-stephansdom/