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Kurzbeschreibung

Alte Karten und damit die Beschäftigung mit der Geschichte der Kartographie erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Diese Publikation kann und will nicht einen Abriss über die Entwicklung des Kartenmachens geben, sie versucht nur, die Kartenproduktionen des westeuropäischen Kulturkreises insofern kursorisch aufzuzeigen, als sie für das Erscheinungsbild Niederösterreichs relevant sind.


Rezensionen
Johannes Dörflinger:

Nach Wien und Salzburg ist Niederösterreich nun das dritte österreichische Bundesland, das ein repräsentatives Werk über die Geschichte der kartographischen Darstellung seines Gebietes besitzt. Autor ist Gebhard König, langjähriger Leiter der Kartensammlung und der Topographischen Sammlung an der Niederösterreichischen Landesbibliothek, der er seit 1996 als Direktor vorsteht. Da der Geograph und Historiker König sich seit vielen Jahren mit der Kartographie Niederösterreichs beschäftigt, dabei überaus interessante Entdeckungen machte und eine Reihe von einschlägigen Beiträgen veröffentlichte, war es ein Desiderat, aus seiner Feder eine reich illustrierte Buchpublikation über "alte" Karten Niederösterreichs vorgelegt zu bekommen.

Einem kurzen Abriss über die Geschichte der Kartographie von der Antike bis ins 19. Jahrhundert (unter besonderer Berücksichtigung des niederösterreichischen Raumes) folgen 54 ausgewählte Karten (auf 53 Tafeln) in hervorragenden Reproduktionen und sehr instruktiven Erläuterungstexte. Der zeitliche Rahmen spannt sich von der römischen Antike (Tabula Peutingeriana) bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts (Administrativkarte von Niederösterreich, 1:28.800). Zeitliche Schwerpunkte bilden das 17. und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts mit jeweils mehr als einem Viertel der Kartenbeispiele. Hinsichtlich der Kartenautoren stehen naturgemäß zwei Personen im Vordergrund: Der Wiener Wolfgang Lazius (1514 - 1565) und der gebürtige Tiroler Georg Matthäus Vischer (1628 - 1696), deren Originalkarten für jeweils rund hundert Jahre die Grundlagen für die Darstellung Niederösterreichs in den Atlanten berühmter Kartographen und großer Verlage der Niederlande (z.B. Ortelius, Mercator, Blaeu, Janssonius, Visscher, De Wit), Frankreichs (Sanson, Jaillot, Robert de Vaugondy) und Deutschlands (u.a. Homann, Seutter) bildeten.

Vor allem unter den Manuskriptkarten finden sich einige Beispiele, die bisher nicht (jedenfalls nicht farbig und nicht in gut lesbarer Form) reproduziert wurden; in diesem Zusammenhang sei insbesondere auf die an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstandenen Werke von Georg Ignaz von Metzburg, Franz von Paula Triesnecker und Nikolaus Kellermann hingewiesen. Neben topographischen Karten (darunter zwei Perspektivkarten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) fanden ebenso thematische Karten Berücksichtigung - in erster Linie zum Verkehr, aber auch zur Wirtschaft im Allgemeinen (von Heinrich Wilhelm Blum v. Kempen, 1794) und zum Weinbau (von Anton Doleal, 1866) sowie zur Geologie (von Paul Bartsch, 1843).

Dankenswerterweise hat Gebhard König am Ende seiner erläuternden Texte jeweils Literaturhinweise gebracht, sodass dem Leser die Möglichkeit geboten wird, weitere Informationen zu den Karten zu erhalten.

Angesichts des vom Verlag vorgegebenen Buchumfangs ist es zwar müßig, Wünsche nach Berücksichtigung weiterer Karten zu äußern, doch könnte bei einer zweiten Auflage eventuell die teilweise Reproduktion eines der 20 Niederösterreich betreffenden Blätter der gedruckten Special-Karte (1:144.000) der Franziszeischen (Zweiten) Landesaufnahme der Österreichischen Monarchie ins Auge gefasst werden.

Für jeden, dem es Freude bereitet, alte (oftmals sehr dekorative) und ältere Karten von Niederösterreich zu betrachten und sich in sie zu vertiefen, ist es ein unbedingtes Muss, Gebhard Königs vorzügliche Mappae Austriae Inferioris in seiner Bibliothek zu haben.

(Johannes Dörflinger, Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich, Jahrgang 79, Heft 3, 2008)