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Kurzbeschreibung

[Hrsg.: Erich Steiner und Thomas Einwögerer]


Der Katalog beschreibt eine spannende Zeitreise über 130.000 Jahre in eine Epoche, die vom vielfachen Wechsel von Warm- und Kaltzeiten geprägt war. Das Buch wie auch die Ausstellung im Landesmuseum beschäftigen sich mit Fragen nach den damals herrschenden klimatischen Bedingungen, dem Lebensraum von Pflanzen und Tieren, den Riesen der Eiszeit wie Mammut, Wollhaarnashorn und Höhlenbär, warum sie ausgestorben sind und wie der Mensch in der rauen Umwelt überleben konnte.



Rezensionen
Susanne Mauthner-Weber:

Todesmutige, speerschwingende Steinzeitjäger stürzen sich auf Mammuts, egal, wie groß und mächtig die auch sind, stechen auf sie ein, erlegen sie – und kommen als Helden heim. Soweit Hollywood.
Vorsichtige, strategische denkende Steinzeitjäger lauern Mammuts an Wasserstellen auf – isolieren ein Jungtier, erlegen es – und kommen gesund heim.
 Soweit die Realität.

Die Klischees, die Roland Emmerichs neuer Film "10.000 BC" über die Steinzeit transportiert, sind zwar aufregend, aber purer Blödsinn. Neue Untersuchungen zeigen: Der heldenhafte Mammut-Jäger existierte wohl nur in der Fantasie seiner Nachfahren. "Man muss sich von der Vorstellung verabschieden: 'Jäger wirft Speer, trifft das Tier und das fällt tot um'", sagt Thomas Einwögerer.

Wer Korrektes über die Prähistorie wissen möchte und erfahren will, wie die Leute tatsächlich an ihr Futter gekommen sind, ist bei Einwögerer richtig. Der Prähistoriker der Österreichischen Akademie der Wissenschaften betreut die heute beginnende Ausstellung "Mammut, Mensch & Co." in St. Pölten und kennt sich bestens mit dem eiszeitlichen Leben aus.


Gejagt
Todesmut wurde damals unweigerlich mit dem Leben bezahlt. "Ein kleiner Familienverband mit zwei vollwertigen Jägern schafft kein Mammut", sagt der Forscher. "Treffen aber mehrere Familienverbände zur Jagd zusammen, schaut das anders aus". Und so wird es wohl gewesen sein.

Einwögerer spekuliert: "Elefanten mögen keine steilen, rutschigen Böschungen. Wahrscheinlich ging es Mammuts ähnlich. Wenn Jäger die Herde dorthin trieben, hatten sie eine Chance." Urzeitforscher haben in Experimenten herausgefunden, dass sich Jäger bis auf 15 Meter den Kolossen annähern mussten, um mit dem Wurfspeer einen Treffer landen zu können. Detail am Rande: Bei einem ausgewachsenen Tier war die Haut 2,5 bis 4 cm dick – da macht ein Jäger keinen Stich, zumindest keinen tödlichen, sagen die Forscher. "Sie hatten Waffen, die möglichst große Wunden mit viel Blutverlust verursachten", erklärt Einwögerer. "Irgendwann ist das Tier so erschöpft,dass es leicht erlegt werden kann."

Möglichst viel verwertbares Fleisch bei möglichst geringem Verletzungsrisiko – das scheint die Devise unserer schlauen Vorfahren gewesen zu sein. Der deutsche Archäologe Thorsten Uthmeier hat herausgefunden, dass sie sich auf Leichtgewichte beschränkten: Man jagte nur Jungtiere bis zu einer Tonne.
Konserviert wurde das Fleisch, indem man es einfach im ständig gefrorenen Boden eingrub. Schließlich befinden wir uns immer noch in der Eiszeit.

"Diese Epoche ist mit so vielen Irrtümern behaftet", klagt Einwögerer. Nein, das Klischee von fellbedeckten Wilden stimmt nicht. Die Leute hatten fein genähtes Ledergewand, trugen Schmuck, bemalten Zelte und Kleidung. Nein, die Mammut-Stoßzähne waren keine Waffen, sondern Schneepflüge, mit deren Hilfe sie an das Gras unter dem Schnee kamen. Und, nein, der Mensch hat das Mammut nicht ausgerottet.

Verschnupft
Höhlenmensch? Man wohnte in Zelten. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass sich das Tier der Eiszeit nicht an die neuen Klima- und Vegetationszonen anpassen konnte: "Das Mammut-Fell ist zwar für trockene Kälte bis 40 C und Sturm, ausgelegt, nicht aber für 0 C und Dauerregen. Weil das Klima feuchter wurde, hatte das Mammut ein echtes Problem: Es war dauernd verkühlt", sagt Einwögerer. Vielleicht hat der Mensch mit seiner Jagd einen kleinen Anteil am Ende der Mammuts. Ausrotten konnte er es sicher nicht. Gerade einmal 200 Menschen dürften damals weit verstreut im heutigen Österreich gelebt haben.

(Susanne Mauthner-Weber, Rezension im: Kurier, 9.3.2008)