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Kurzbeschreibung

"Mein Hut!", ruft Luise.
Wenn doch Luise schon jetzt am Anfang wüsste, dass sie am Ende ihren Hut wieder finden wird!
Sie weiß es aber nicht.
Wie auch? Nicht einmal im Traum denkt sie daran, ihn jemals wieder zu finden.
Sie ist auf einem Schiff nach Australien, als es passiert …


Rezensionen
Elke Pomberg: Luises Hut

„Mein Hut!“, ruft Luise zu Beginn des Buches, als dieser an ihrem Badestrand angespült wird. Einige Zeit zuvor hat sie ihn auf der Schiffsreise nach Australien verloren, weil der Wind ihn ihr vom Kopf geweht hat.

Der Hut treibt nun mit traurigem Gesicht einsam auf dem Meer und Luise, die zunächst noch oft an ihren Hut denkt, vergisst ihn spätestens bei der Ankunft in Australien angesichts der angeregten Gespräche mit ihrer Cousine und den gemeinsamen Ausflügen relativ schnell.

Der Leser begleitet in einer Art Parallelhandlung sowohl die beiden Frauen als auch den Hut, der Luise mithilfe glücklicher Fügungen auf dem Wasserweg nachzureisen vermag. Während er wie ein kleines Boot auf dem Wasser treibt, begegnet er einem Hai, dann einem Delfin. Von einer großen Welle wird der Hut schließlich in küstennahes Gewässer getrieben. Dort trifft er auf eine Meduse, die es seltsam findet, dass sie beide „Hut“ genannt werden. Während der Begegnung mit einem Mann, der ihn als Sonnenschutz benutzen will, behauptet der Hut entschieden seine Zugehörigkeit zu Luise. „Ich bin Luises Hut“. Dies erzählt er auch einem kleinen Mädchen, das sich seiner annehmen will, voller Stolz: „Ich bin Luises Hut.“ Er ist nun an jenem Strand angekommen, an dem auch seine Besitzerin und deren Cousine zu baden pflegen. So kommt es, dass Luise am nächsten Morgen ausruft: „Mein Hut!“. Und das Buch endet in einer Ringkomposition, wie es begonnen hat.

Luise findet ihren Hut am Ende also wieder oder besser: Der Hut findet zu Luise. Hat er sich doch eigentlich als der anhänglichere Partner erwiesen. „Ich bin Luises Hut“, stellt er immer wieder fest und behauptet damit seine Zugehörigkeit und ihre Zusammengehörigkeit. Damit ist widerlegt, womit ein Mitreisender Luise auf dem Schiff zu trösten versuchte: „Was weg ist, ist weg.“ Eben nicht. In diesem Buch findet gegen alle Regeln der Wahrscheinlichkeit wieder zueinander, was zusammengehört.

Diese tröstliche Botschaft ist es aber nicht allein, die den Reiz des Bilderbuches ausmacht, vielmehr lassen die wunderschönen Zeichnungen und die mit viel Feingefühl eingesetzten Farben „Luises Hut“ zu einem kleinen Gesamtkunstwerk werden. Anka Luger ist Autorin und Illustratorin in einer Person und als solche setzt sie die kleine Geschichte behutsam in Szenen, indem sie mit Ähnlichkeit und Metamorphose der Formen von Hut, Schiffsbug, Flosse bis hin zur Welle ebenso wie mit feinsten Farbabstufungen und dem für ihren Stil typischen Einsatz von Farbkontrasten spielt. So leuchten bzw. „schillern“ die gesättigteren reinbunten Farben hier umso nuancenreicher, weil die Blautöne von Meer und Himmel aufgehellt und in ihrer Farbintensität vermindert erscheinen.

Das Bilderbuch lädt im Vor- und Erstlesealter ein zum Vorlesen, Mitlesen, Zeigen und Betrachten. Es regt auf eine stille, zarte Weise die Fantasie an, die im wohltuenden Gegensatz zu der für unsere Zeit typischen Reizüberflutung steht. Nicht zuletzt sensibilisiert es für die Wirkung von Farben und Formen und lädt vielleicht sogar zum (Nach)Gestalten an.

Für mich als Erwachsene besticht dieses zeitlose, etwas traumverlorene Bilderbuch vor allem durch die überaus anspruchsvolle künstlerische Gestaltung.

(Elke Pomberg, Rezension in: EuWis. Zeitung "Erziehung und Wissenschaft im Saarland" des Landesverbandes der GEW im DGB, 60. Jg. Oktober 2014)


http://www.gew-saarland.de/aktu_leiste/EuWiS_10-2014.pdf