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Kurzbeschreibung

[Hrsg.: Tourismusverband Kulturpark Kamptal. Red.: Thomas Hofmann]


Vielfalt als Lebensqualität

Vielfalt ist nicht nur für die menschliche Gesellschaft und ihre Kultur so nötig wie die Luft zum Atmen: Das gesamte Leben scheint seit seiner Entstehung auf die Entwicklung eines immer vielfältigeren Formenreichtums angelegt zu sein. Die meisten Menschen empfinden eine reich belebte Landschaft als schön. Naturverbundene Leute haben ein Gespür für den Wert jeder einzelnen Tierart, immer bewusster werden uns die vielen Funktionen des Naturhaushalts, die artenreiche Lebensgemeinschaften besser erfüllen als artenarme.

Eingriffe des Menschen in das ursprünglich durchwegs bewaldete Land müssen nicht von vornherein naturschädigend sein. Viele Pflanzen und Tiere der offenen Landschaft wurden durch das Anlegen von Feldern, Wiesen und Weiden begünstigt. Blaufalter und Heuschrecken, Neuntöter und Lerchen profitieren neben einer Vielzahl von anderen Tieren sowie Wiesenkräutern und Feldblumen von der Arbeit des Bauern, sofern auf Rainen und Trockenstandorten, in Gehölzen und Gewässern genügend Raum für ihre Entfaltung bleibt. Die bäuerliche Kulturlandschaft zeichnet sich durch dieses Netzwerk von nicht direkt produktiven Restflächen aus, die für den Artenschutz und Naturhaushalt ebenso wichtig sind wie für die Gesundheit der angrenzenden Feldkulturen.

Heute sind diese von Bauerngenerationen geschaffenen Bilderbuchlandschaften ebenso selten geworden wie ursprüngliche Naturlandschaften. Aber von beiden wird immer mehr ihr Wert und Nutzen erkannt, zum Beispiel als Vorbild für naturnähere Formen der Land- und Forstwirtschaft.

Die Kamptalregion zeichnet sich durch ein beachtliches Ensemble von gut erhaltenen Natur-und Kulturlandschaften aus. Es gibt in Mitteleuropa nicht viele Landstriche, die auf so kleinem Raum eine solche Vielfalt aufweisen. Geologischer Untergrund und Geländerelief, Klima und Bewirtschaftung wechseln stark innerhalb des Gebietes und bedingen eine abwechslungsreiche Pflanzen- und Tierwelt. Vom trockenen Felsen-Standort bis zur Flussau rinden wir in einem kleinräumigen Puzzle alle wichtigen Lebensraumtypen unserer Heimat.

Freilich gibt es auch Beispiele übernutzter, ökologisch verarmter und destabilisierter Landschaften. Einförmige Nadelholzforste oder ausgeräumte Agrarsteppen liefern sozusagen ein Kontrastprogramm. Selbst von der waldumwucherten Ruine Schauenstein erblickt man im üppig grünenden Tal standortfremde Fichtenkulturen auf kleinen ehemaligen Talwiesen. Sterbende Tannen und Föhren erinnern uns auch an Luftverschmutzung und Klimaänderung. Bei Wanzenau wie bei den Kogelsteinen werden die sanften Schwünge der blühenden Landschaft von Gittermasten und Stromleitungen zerschnitten.

Am Heiligenstein wurden kleinteilige Weinterrassen samt den sie stützenden Trockenmauern weggebaggert und in maschinengerechte Rebkulturen verwandelt.

Diese ganz normale Hässlichkeit hat selbstverständlich auch vor dem Kamptal nicht haltgemacht. Wenn immer mehr Kunst- und Naturfreunde für das Schöne Partei ergreifen, so hat das mit geschärfter Wahrnehmung zu tun, mit einem kritischen Bewusstsein, das zwischen Preis und Wert, zwischen Geld und Lebensqualität zu unterscheiden weiß.

Mit wachen Sinnen aber bemerken und fühlen wir viel mehr von dem, was Leben und Landschaft, Wetter und Jahreszeit uns so reichlich schenken. Bei allem Wissen ahnen wir auch etwas von den faszinierenden Geheimnissen der Natur.

Die Lust, das Paradies zu entdecken und zu erleben, kann durch nichts ersetzt werden. Im Land zwischen Kamptal und den Kogelsteinen mit seinen verschwendeten, bedrohten und bewahrten Naturschätzen finden wir viele Gelegenheiten, der lebendigen Vielfalt unseres Planeten zu begegnen…

(Werner Gamerith)