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Kurzbeschreibung

Im Umgang mit dem neuropsychologischen Patienten wird deutlich, daß das Gegenstandsfeld der klinischen Neuropsychologie weiter gefaßt ist, als die Definition ursprünglich enthält. Letztere umfaßt die Diagnostik und die Therapie der höheren Hirnleistungsstörungen. Jede zerebrale Läsion und ihre Folgen lassen sich nämlich von verschiedenen Blickrichtungen her betrachten:

- Art und Ausmaß der Beeinträchtigung (Impairment): Hier wird danach gefragt, welche neurologischen und neuropsychologischen Defizite als Folge der zerebralen Schädigung überhaupt vorliegen und wie stark einzelne Leistungsdimensionen durch die Läsion betroffen sind.

- Funktionale Defizite (Disability): Viel relevanter als die Beeinträchtigung selbst ist die Frage, wie sehr die Funktionen, die Fertigkeiten und das Verhaltensrepertoire einer Person durch das Auftreten der oben genannten Defizite beeinträchtigt sind.

- Soziales Handicap: Gestörte Fertigkeiten und Funktionen brauchen im individuellen Lebensbereich eines Menschen nicht unbedingt negative Auswirkungen zu haben. Ist dies doch der Fall, so liegen tatsächliche Beeinträchtigungen der alltäglichen, freizeitlichen und beruflichen Aktivitäten vor. Das soziale Handicap allein stellt eine Benachteiligung und Erschwernis für den hirngeschädigten Patienten dar.

Ziel der klinischen Neuropsychologie ist unter Berücksichtigung der eben genannten Punkte primär nicht die Diagnostik und die Behandlung der kognitiven Leistungsdefizite, wenngleich diese Bereiche unverzichtbar sind. Es ist vielmehr Ziel, die beeinträchtigte Funktionsfähigkeit des Patienten in Alltag, Freizeit und Beruf wieder herzustellen oder soweit zu verbessern, damit der Patient Lebensgewohnheiten entwickeln kann, um sein Leben nach Möglichkeit selbständig und individuell gestalten zu können.

Es wird angestrebt, den Patienten entsprechend seiner Interessen und Fähigkeiten wieder in die Gemeinschaft und in den Beruf einzugliedern, und wenn dies nicht erreicht werden kann, so doch die Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu vermindern. Die klinische Neuropsychologie als Entität setzt sich, da sie gleichzeitig wissenschaftliche, diagnostische und therapeutische Interessen vertritt, dementsprechend aus unterschiedlichen Bereichen zusammen:

- Neurologie: Jede zerebrale Läsion führt neben Defiziten der höheren Hirnleistungen auch zu anderen neurologischen Läsionen, die neurorehabilitative Maßnahmen sowie eine entsprechende neuropharmakologische Therapie notwendig machen. Psychologische Leistungsdiagnostik: Die Diagnostik der kognitiven Einbußen ist wesentlicher Bestandteil der klinischen Neuropsychologie. Die Persönlichkeitsdiagnostik mit entsprechenden Tests als zweiter Bereich der psychologischen Diagnostik neben der Leistungsdiagnostik spielt in der neuropsychologischen Praxis keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Zur Einschätzung von Persönlichkeitsparametern genügen zumeist die Beobachtung sowie Gepräche mit dem Patienten und seinen Angehörigen.

- Psychologische Trainings- und Therapiemaßnahmen: Die Therapie der festgestellten Störungen soll die individuellen Auswirkungen der Defizite auf den Alltag des Patienten berücksichtigen. Psychologische Trainingsmethoden allein führen zwar zu einer Verbesserung kognitiver Leistungs-bereiche, wieweit sich diese im individuellen Bereich des Patienten auswirken, ist nicht abschätzbar. Psychologische Trainingsmaßnahmen sind daher nur ein Bestandteil der therapeutischen Bemühungen.

- Neurorehabilitative Diagnostik und Therapie: Erst das Zusammenspiel von Neurologie, Psychologie, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie schafft eine an der Lebenspraxis des Patienten orientierte Diagnostik und Therapie. Neben der Behandlung sind kontinuierlich begleitende Gespräche mit den Patienten und dessen Angehörigen schließlich unabdingbar, um individuell formulierte Therapieziele zu realisieren und den Patienten in seinen Alltag zurückzuführen.

- Sozialpsychologische und sozialtherapeutische Aspekte: Da das Ziel der klinischen Neuropsychologie die Wiedereingliederung des Patienten in sein individuelles soziales Umfeld ist, gehören gruppenpsychologische Aspekte, motivationstheoretische Ansätze, die Bearbeitung von Einstellungen etc. ebenfalls in den Bereich der neuropsychologischen Arbeit. Die Sozialarbeit unterstützt, zum Teil auf dem Boden dieser Überlegungen, den Patienten im sozialen Bereich.

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