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Kurzbeschreibung

Das erste Mal habe ich mich von März bis Mai im Jahre 1993, also vor schon bald zwanzig Jahren, in Indien aufgehalten. Eigentlich wäre ich viel lieber nach Marokko, Tunesien oder in die Türkei gereist, aber meine Frau Christina war als Kind vier Jahre lang mit ihren Eltern und ihren beiden Schwestern in Indien gewesen, ich wollte einmal das Land ihrer Kindheit sehen. Die Familie lebte damals in Rourkela, im indischen Bundesstaat Orissa, wo in den Sechzigerjahren der Vater von Christina als Ingenieur am Bau eines der modernsten Stahlwerke der damaligen Zeit mitarbeitete, das von 35 großen deutschen und indischen Firmen errichtet wurde. Um dieses Stahlwerk bauen zu können, enteigneten die indischen Behörden 32 Dörfer, von denen sie 16 völlig zerstörten, 13 000 Ureinwohner, die so genannten "Adivasi", wurden umgesiedelt. Entwurzelt und ohne Aussicht auf Beschäftigung lebten die meisen als rechtlose Landarbeiter, als Schuldknechte oder als Kulis in den Slums der Städte. Damals, in den Sechzigerjahren, hatte das Dorf Rourkela mehrere Tausend Einwohner, heute ist es eine Industriestadt mit 300 000 Menschen. Das Gelände für das Hüttenwerk und die Wohnstadt umfasste über achttausend Hektar. In dieser "Steel City", wie die Wohnstadt genannt wurde, waren 1800 Deutsche untergebracht, die man die "Rourkela-Deutschen" nannte, 40 000 Menschen arbeiteten bei diesem Stahlwerk, das damals eines der größten Auslandsprojekte der Bundesrepublik war …