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Kurzbeschreibung

Texte von Ingrid Loibl u. Roswitha Sirninger


Es war vor langer Zeit, da lebten ein Mann und eine Frau mit ihren beiden Kindern im Dunkelsteinerwald. Sie wohnten in einem Haus in Schenkenbrunn, nahe der Kapelle. Die Eltern hatten ihre wahre Freude an ihren Kindern, war doch der Sohn ein aufgeweckter Kerl und seine kleine Schwester ein reizendes, sanftes Geschöpf. Die Mutter behütete die beiden sehr und schärfte ihnen ein, dass sie ja in der Nähe des Hauses bleiben und nicht in den Wald gehen sollten und schon gar nicht in die Nähe des Teiches, wo der böse Wassermann sein Unwesen treibe. Aber die Kinder wuchsen heran und je älter sie wurden, desto neugieriger wurden sie auch. Vor allem der Bub wollte immer öfter die sichere Umgebung des Hauses verlassen und auf Entdeckungsreise gehen. Wäre nicht seine besonnene kleine Schwester gewesen, die ihn zurückhielt, hätte er die warnenden Worte seiner Mutter schon längst in den Wind geschlagen und wäre in den Wald gegangen.

Eines Tages aber konnte er der Verlockung nicht widerstehen. Es war ein heißer Sommertag, gerade um die Mittagszeit. Er stand vor dem Hai und blickte zum Waldesrand, wo ein schattiger Weg ins Dunkel der Bäume führte. Die Luft stand still in der Mittagshitze, die Gelegenheit war günstig. Seine Schwester befand sich gerade im Haus, um der Mutter bei den Vorbereitungen für das Essen zu helfen. Er wäre an der Reihe gewesen aufzuräumen, doch diese Arbeit freute ihn gar nicht. Er überlegte nicht lange und begann zu laufen. Bald hatte er den Wald erreicht, schon lag ein Teil des schattigen Weges hinter ihm. Als er sich umdrehte, sah er noch einmal zum Haus. Seine Schwester war gerade herausgetreten, um ihn zum Mittagessen zu holen. Da rannte er umso schneller und erreichte bald das Bächlein, welches sich munter plätschernd seinen Weg über den Hang hinabbahnte.

Er war erhitzt vom Laufen und hatte großen Durst. Schon freute er sich auf das kühle, klare Wasser. Doch als er sich niederkniete, um aus dem Bächlein zu trinken, ertönte plötzlich eine zarte Stimme: „Trink nicht von mir, sonst wirst du ein Reh!" Der Junge schreckte hoch, er war sich nicht ganz sicher, ob er wirklich diese Worte gehört hatte oder nur das Rauschen des Bächleins. Er setzte vorsichtshalber seinen Weg fort ohne zu trinken. Er wollte es ein Stückchen weiter unten versuchen. Aber als er schon mit den Händen das Wasser schöpfte, vernahm er abermals diese Stimme: „Trink nicht von mir, sonst wirst du ein Salamander!"

[...]