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Kurzbeschreibung

Texte von Wolfgang Katzenschlager ; Herbert Knittler


Die Faszination topografischer Ansichten hat in den letzten Jahrzehnten die Herausgabe einer Fülle von Publikationen bewirkt, die entweder als Faksimile frühneuzeitlicher Werke, als Sammlung grafischer Produkte der Biedermeierzeit oder fotografischen Aufnahmen seit dem späteren 19. Jahrhundert dem Bild als geschichtliche Quelle gegenüber dem Wort einen deutlichen Vorrang einräumten. Gerade bei letzteren waren Motive und Zugangsweise zweifellos mehrschichtig, einerseits von nostalgischen Haltungen, andererseits aber auch von historisch-dokumentarischen Zielsetzungen bestimmt, die vorab der objektbezogenen Veränderung von Regionen, Gemeinden, Städten und Dörfern Rechnung tragen sollten. Weiters verfolgte man das Ziel, vergangene Verhaltensweisen und Gewohnheiten innerhalb des breiten Spektrums des Alltagslebens vor dem völligen Vergessen zu bewahren.

Die Waldviertler Kleinstadt Weitra besitzt nun nicht nur eine überdurchschnittlich reiche Überlieferung an Schriftquellen sowie topografischen Ansichten vor 1850, sie verfolgt auch zufolge einer intensiven, insbesondere privaten Sammeltätigkeit über einen bemerkenswerten Fundus an fotografischen Aufnahmen seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Es lag daher nahe, anhand dieses Materials die Entwicklung des Stadtbildes als Ganzes wie auch im Detail, gegliedert nach einzelnen Abschnitten wie dem historischen Zentrum, dem Bereich der Stadtmauer sowie den älteren Vorstädten und jüngeren Erweiterungen, zu verfolgen. Im Großen und Ganzen wurde die Bildauswahl mit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts begrenzt, wobei auch einige wenige fotografische Dokumente zum Leben in einer Kleinstadt Aufnahme fanden.

Zusammengestellt und erläutert wurde das Bildmaterial von zwei Historikern, die sich seit über vierzig Jahren mit Fragen der Geschichte von Weitra befassen und dazu bereits zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt haben.


Rezensionen
Thomas Hoffmann:

Die Stadt Weitra kann auf eine über 800-jährige Geschichte zurückblicken, die von den beiden Autoren Wolfgang Katzenschlager und Herbert Knittler in einem Bildband dargestellt wird.

Aus den ersten Jahrhunderten der Weitraer Geschichte sind naturgemäß wenige bildliche Darstellungen überliefert, die die Autoren jedoch durch den Band einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Als Beispiel hierfür mag die Darstellung der Burg Wietra aus dem 14. Jahrhundert dienen, die dem ,Liber fundatorum´ des Zisterzienserstiftes Zwettl ("Bärenhaut") entnommen ist.

Die Darstellungen der ersten Jahrhunderte zeigen meist die Burg, das Schloss oder eine Gesamtansicht der Stadt von außerhalb aus verschiedenen Perspektiven. Bei Letzterem griffen die Autoren auch auf zeitgenössisches Kartenmaterial, etwa den Kataster von 1823, zurück.

Ab dem 18. Jahrhundert nimmt die Anzahl der Darstellungen deutlich zu und nach dem Siegeszug der Fotografie am Ende des 19. Jahrhunderts erreicht sie ihren Höhepunkt.

Die Autoren haben den Band mit dem Jahr 1950 abgegrenzt und präsentieren darüber hinaus nur wenige Bilder, wodurch der eindeutige Schwerpunkt des Buches auf den Jahren zwischen 1875 und 1950 liegt. Um die Fülle an Bildern dieser Zeit zu ordnen, wurden diese nach Kategorien dargestellt. Die Autoren wählten hierfür Stadtansichten, Ansichten der Stadtmauer, des Bahnhofs, der Vorstädte, der Brühler Fabrik, des Gabrielentals und der Altstadt aus. Durch den im 19. Jahrhundert aufkommenden Tourismus ("Sommerfrische") sind viele Fotos und Zeichnungen von Postkarten dargestellt, die ein idyllisches Bild der Stadt vermitteln. Hierbei zeigen die Autoren durch die Darstellung einiger Orte zu verschiedenen Zeitpunkten die Entwicklungen in und um die Stadt auf. Alle Abbildungen werden von den Autoren kommentiert und der geneigte Leser bzw. Betrachter entdeckt durch den Text noch so manches Detail, welches sich vorher der Aufmerksamkeit entzogen hatte.

Den Autoren ist es mit dem vorliegenden Bildband gelungen, einen ansprechenden Einblick in die Stadtgeschichte Weitras, insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zu schaffen. Für Leser, die sich in die Stadtgeschichte abseits dieses Bildbands einlesen wollen, listen die Autoren Literatur zur Vertiefung auf.

(Thomas Hoffmann, Rezension in: Das Waldviertel. Zeitschrift für Heimat- und Regionalkunde des Waldviertels und der Wachau, Heft 1/2010)


Daniel Lohninger:

Ansichten aus sechs Jahrhunderten stehen im Mittelpunkt der jüngsten Publikation der Weitraer Historiker Dr. Wolfgang Katzenschlager und Dr. Herbert Knittler. Unter dem Titel "Historisches Weitra" brachten sie im Verlag "Bibliothek der Provinz" ein 164 Seiten starkes Buch heraus, das Verleger Richard Pils selbst herausgab.

Das Ergebnis ist eine, wie die Autoren in ihrem Vorwort selbst schreiben, "ausführlich kommentierte Dokumentation der topografischen Entwicklung" der Stadt Weitra, die ebenso wie Gmünd oder Zwettl eine Gründung der Kuenringer ist. Die Bilder und Ansichtskarten stammen nicht nur aus dem Fundus des Weitraer Stadtarchivs und der Fürstenberg'schen Sammlungen, sondern auch aus mehreren privaten Kollektionen.

Ein knapp gehaltener geschichtlicher Rückblick über die Entwicklung der Stadt Weitra bildet den Einstieg in das Buch - und zugleich die Grundlage für die Auseinandersetzung mit den Ansichten, die optisch großzügig ins Buch gesetzt und mit kompakt gefassten Texten versehen wurden. Gegliedert sind die Abbildungen der Ansichten in acht Kapitel, beginnend mit den "Ältesten Ansichten" - hier abgebildet sind besondere Raritäten wie die einzig erhaltene bildliche Darstellung der Weitraer Kuenringerburg aus dem 14. Jahrhundert oder eine Federzeichnung des von Pietro Ferrabosco entworfenen Fassadenaufrisses der Nordfront des Schlosses.

Im "Foto-Kapitel" zu finden sind unter anderem die erste bekannte Foto-Aufnahme Weitras, die vor 1878 entstand und die Stadt vom Nordwesten zeigt. In diesem Kapitel zu sehen sind auch alte Ansichtskarten. Weitere Kapitel sind der Stadtmauer, dem Bahnhof und der Vorstadtbildung, der Hackl-Fabrik in Brühl dem Gabrielental sowie dem Gesellschaftsleben gewidmet wird; viele dieser Bilder wären wohl ohne dieses Buch komplett in Vergessenheit geraten. Zu finden sind Abbildungen bis in die 30er-Jahre - aktuellere Ansichten der Stadt Weitra wird man in diesem Buch vergeblich suchen.

Das ist vielleicht auch das einzige Manko: Wer Weitra nicht in all seinen Details kennt, wird sich mit der Einordnung des Gesehenen und dem Vergleich zur Gegenwart schwer tun - und das Buch lediglich als Zeugnis dessen, was einmal vor langer Zeit war, wahrnehmen können.

Für Weitraer selbst sollte "Historisches Weitra" aber zur Pflichtlektüre zählen - nicht nur aufgrund der unzähligen, bislang unveröffentlichten Ansichten, sondern auch, weil die Geschichte der ältesten Braustadt Österreichs mit diesem Buch selbst für historisch wenig vorgebildete Menschen zum Lesevergnügen wird.

(Daniel Lohninger, Rezension in: Niederösterreichische Nachrichten, [?.] 2009)