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Gusen II

Leidensweg in 50 Stationen ; von Compiègne nach Gusen II über Buchenwald - Mauthausen - Gusen I

Jean Bernard-Aldebert

ISBN: 978-3-85252-145-9
24 x 17 cm, 246 S., Ill.; Text dt. u. franz.
€ 29,00
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Kurzbeschreibung

[Chemin de croix en 50 stations]
Bernard Aldebert. Übers. u. hrsg. von Elisabeth Hölzl


Buchenwald, Mauthausen, Gusen I, Gusen II, Namen der Hölle neben vielen andern: Bergen-Belsen, Dora, Dachau, Ausschwitz – Namen in blutigen Lettern eingeschrieben in die Piratenflagge mit dem Totenkopf. Namen des deutschen Sieges in der Geschichte jenes Krieges, den das Deutsche Reich gegen die Zivilisation führte, Namen der Weltgeschichte, die die Menschheit nie mehr vergessen sollte.

Ich bin den Kreuzweg gegangen, der von der Compiègne bis nach Gusen II führte, und ich legte Zeugnis ab von einem Leidensweg, auf dem so viele von uns gefallen sind, wahre Helden, weil sie niemals wankten. Ich habe diese Seiten gezeichnet und geschrieben, um einen Beitrag zu leisten zur Erziehung derer, die nichts gelernt oder bereits alles vergessen haben. Ich werde vor allem das Vernichtungslager Gusen II beschreiben das die Endstation unserer leidvollen Reise war. Noch weiterzugehen war kaum möglich. Sind wir nicht an die Grenzen des Greuels gestoßen? Nach erlittenen Qualen, der Trauer um unsere Kameraden, die wir in unseren Herzen Tragen, erlaube man uns ein Lächeln, wenn wir schon jetzt vom Problem des geteilten Deutschland reden hören.

Wenn das deutsche Volk nicht wußte, was in den Konzentrationslagern vorging, dann deshalb, weil es nichts wissen wollte, denn es war zwangsläufig unterrichtet, sei es durch die Soldaten, die gleichzeitig mit der SS unsere Aufseher waren, sei es durch die Zivilarbeiter, die uns bei der Arbeit kommandierten, und die passive Zeugen der Massaker waren, für die wir bestimmt waren. Wenn das wir auch unter der Zivilbevölkerung oder den Militärs einige Beispiele der Menschlichkeit gefunden haben, so sind sie nicht zahlreich genug, um das Ausmaß an Leid aufzuwiegen, das uns zugefügt wurde. Wir waren in der Schule des Hasses; wenn wir ihn nun einem ganzen Volk entgegenbringen, geschieht das, weil dieses Volk zu feige und zu unterwürfig gehandelt hat, weil es – aus Angst oder aus Raffsucht – der gemeine Komplize dieser Bande von Verbrechern war, die es sich selbst zu seinen Führern erwählt hatte.

Die Unschuldsbeteuerungen, die „mea culpa“, die Glaubensbekenntnisse, die jetzt in Deutschland laut werden, können niemals das Klagen unserer Brüder übertönen, das noch in unseren Ohren klingt. Die Sühnekapellen, die man in Dachau oder anderswo errichten wird, werden unsere Freunde nicht zurückbringen. Wir kennen sie jetzt besser als alle anderen, die deutsche Spielart. Wir werden erst an jenem Tag wirklich versöhnt sein, an dem wir wissen, daß die Verantwortlichen mitsamt unseren Folterknechten bestraft wurden. Wir fordern, daß diese Lager, wo wir 9000 von uns zurückgelassen haben, von diesen Mördern und ihren Komplizen besiedelt werden, daß die dort erleben, was wir erlebt haben, und daß dort genauso viele verrecken, wie von unseren Brüdern umkamen. Wenn es eine Gerechtigkeit gibt – noch wollen wir nicht daran zweifeln – soll das Recht des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ angewandt werden, sachlich emotionslos, aber mit aller Strenge. Hören wir auf die Stimme unserer Toten, die nach Rache schreien.