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Kurzbeschreibung

[Text von] Marianne Ilmer Ebnicher. [Ill. von] László Varvasovszky


"Das war eine wunderbare Vorstellung!", rufen die Puppen.
"So viele Kinder! Und der Applaus, herrlich!"
Die Puppenspielerin ist aus dem Saal gegangen.
Sie hat das Glasherz liegen gelassen und hat sich nicht einmal umgedreht.
"Ich bin ganz allein", jammert das Glasherz.
"Darf ich bei dir bleiben?", fragt es den Kasperl.
Kasperl drückt herum: "Schau, ich ... ich hab schon etwas Rotes. Tut mir leid, das geht nicht."
Das Glasherz räuspert sich: "Verzeih, wenn ich störe, großer Meister. Kannst du mir weiterhelfen?"
Der Zauberer schnauft: "Du weißt wohl nicht, mit wem du es zu tun hast? Lass mich in Ruhe, sonst verwandle ich dich in einen Wurm. Oder in einen Mistkäfer."


Rezensionen
Gudrun Melchior: Von Angst und Glück

Glasherzenglück erzählt die Geschichte des roten Glasherzes, dem Glücksbringer einer Puppenspielerin. Nach der Vorstellung wird es einfach im Theater vergessen und sucht jetzt voller Angst Zuflucht bei den Spielfiguren. Diese wollen aber mit dem Winzling nichts zu tun haben. Am Schluss kommt die Rettung durch die Puppenspielerin. Das Glasherz, das vor Kummer zu zerspringen drohte, zerspringt jetzt fast vor Glück.

Das Bilderbuch beginnt mit dem Ende einer Vorstellung in einem kleinen Puppentheater mit vielen Kindern und einem herrlichen Applaus. Die Bühne ist leer, die Puppen stehen oder liegen auf der kleinen Bühne, der Saal wird dunkel und man sieht die Puppenspielerin im Weggehen ihren Mantel anziehen. Jetzt taucht das kleine Glasherz auf, eine gemalte Figur mit einem roten Herz als Kopf und einem weißen gemalten Körper, der durch seine einfache Darstellung die Gefühle des Glasherzes durch Mimik und Körperhaltung ausdrückt.

Die Puppenspielerin geht, ohne sich nach ihrem Glasherz und Glücksbringer umzudrehen. Hat das Glasherz gerade noch getanzt und gelächelt, macht sich auf seinem Gesicht das blanke Entsetzen breit, sein Mund pfeift ihr nach, der kleine Körper rennt ihr vergebens hinterher. Das Glasherz versucht bei den Spielfiguren Anschluss zu finden. Es steht lachend vor dem Kasperl und bittet darum, bei ihm bleiben zu dürfen. Aber der winkt nur freundlich ab:” Ich hab schon etwas Rotes.”

Danach bittet das Herz den Zauberer mit angstvollem Gesicht, ob er ihm weiter helfen könne. Aber der schnauft es nur an, ihn in Ruhe zu lassen, sonst müsse er es verzaubern. Die wunderschöne Prinzessin hat auch kein Herz für den Winzling, weil ihr die Herzen nur so zufliegen. Dem Drachen ist der Kleine zu schwach, der Glücksfee zu anstrengend - sie muss sich schließlich um so viele Herzensangelegenheiten kümmern, dass sie keine Zeit hat. Das Glasherz schöpft neue Hoffnung bei einem nett aussehenden Liebespaar, aber den beiden fällt ein, dass ihre Herzen ja füreinander schlagen, ein drittes wäre zu viel. Marschierend und mit neuem Mut geht das Glasherz auf Soldatenfiguren zu, diese aber schicken es weg mit den Worten: “Wir dürfen kein Herz haben, wir führen Krieg”.

Völlig entkräftet und mit hängendem Kopf schleicht das Glasherz schließlich durch den Zuschauerraum davon, als plötzlich Rettung in der zurückkommenden Puppenspielerin naht. Diese fragt in die Bühne hinein die Puppen nach ihrem Glücksbringer. Und der ruft am Schluss tanzend, springend, lachen vor Glück: ”Hier bin ich!”

Das Besondere an dem Buch ist der Wechsel zwischen den realen Bildern der Bühne, der Spielfiguren, dem Zuschauerraum und der Puppenspielerin. Dem Illustrator Laszlo Varvasovszky gelingt es einfühlsam, durch seine Kollagen aus Fotografien der kleinen Puppenbühne und Puppenfiguren einerseits und dem gemalten Glasherzen andererseits die Geschichte mit Leben zu füllen. So sind die Spielfiguren leblos dargestellt, auch die hübsche Tanzprinzessin wirkt kalt und starr. Umso lebhafter treten die Gefühle des gezeichneten Glasherzes durch seine Mimik und Gestik heraus. Seine Verzweiflung, seine Angst, sein Verlassensein, aber auch sein Mut, seine Hoffnung, seine Freude und sein Glück kommen so wunderbar zur Geltung.

(Gudrun Melchior, EuWis. Zeitung "Erziehung und Wissenschaft im Saarland" des Landesverbandes der GEW im DGB, 60. Jg. November 2014, S. 22)


http://www.gew-saarland.de/aktu_leiste/EuWiS_11-2014.pdf