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Kurzbeschreibung

[sigfrid maron]


privat

privatisieren in österreich heisst, man bittet irgendeinen industriellen höflich, z.b. den herrn assmann aus der steiermark, geh waratns so liab und nemans uns de hirtenberger patronenfabrik ab. sie brauchens eh net umsunst machen, mir gebn ihnen no 250 millionen für de mühe des damit hobn und weils jo 400 arbeiter entlossen miassn, sollns wenigstens ein bisserl einen finanziellen trost hobn, net de arbeiter, der herr industrielle assmann.

also irgendwie hob ich mir die privatisierung anders vorgestellt. und anstatt ein stattliches industriellenmassaker zu veranstalten, massakrieren herr und frau österreicher eine schweinsstelze und schaun sich nebenbei den musikatenstadl aus der wiener börse an.

ich werde mich auch ab montag auf die börse hauen. i bin ma nur net sicher ob als aktie als genuss-schein, no do werden einige vor genuss schrein, aber bitte der herr habsburg fohrt auch auf staatsbesuch noch ungarn. wohrscheinlich mocht er dort a private wäscherei auf oder er verkauft auf der margareteninsel die ungarische bildzeitung.

in österreich san mir de habsburger am liebsten eiskoit und steif in der kapuziner-gruft. de zita hots scho gschofft. den rest bring ma auch noch unter die erd. mit oder ohne geistlichen beistand.


Rezensionen
Erich Demmer:

Sigi Maron, 1944 in Wien geboren und schon lange in Baden bei Wien lebend, war in den Siebzigerjahren eine der treibenden Kräfte in der österreichischen sozialkritischen Liedermacherszene, die den emanzipatorischen Aufbruch von Teilen einer großkoalitionär erstarrten Gesellschaft im Windschatten des Kalten Kriegs der Großmächte in Richtung Bürgerinitiativen mit der Einforderung politischer Mitbestimmung (Arena-, Anti-AKW, Friedensbewegung etc.) musikalisch begleitete.

Witzig und fürwitzig:
Maron, 1956 an einer Kinderlähmung erkrankt, absolvierte tausende Auftritte mit deftigen Protestsongs aus dem Rock'n'Rollstuhl und von liebevoller Zuwendung geprägten Beziehungsliedern furios im Zorn und sanft in der Kommunikation mit dem Publikum. Bei seinen 16 LPs arbeitete er mit internationalen Spitzenmusikern wie Kevin Coyne und Konstantin Wecker zusammen, mit "Geh no net furt", der eindringlichen Bitte an einen selbstmordgefährdeten Menschen, bereicherte er zehn Wochen lang auch die österreichische Hitparade sonst nicht gerade als Oase der Qualität in der musikalischen Radiowüste bekannt. Im Hintergrund versorgte er auch Größen des Austropop mit anspruchsvollen Liedtexten. Nebenbei: Mitarbeit bei mehreren Filmen und der ORF-Kasperliade "Tohuwabohu".

Soeben hat er im Verlag Bibliothek der Provinz den Band "fahrrad gegen mercedes" (21x15 cm, 130 S., E 24) herausgebracht, in dem er Gedichte, Gedankensplitter und Kurzprosa versammelt und dessen schmuckes Cover von seiner Tochter Nina Maron gestaltet worden ist. Bereits der Buchtitel verweist auf ein zentrales Motiv im Gesamtwerk von Sigi Maron: Fahrrad gegen Mercedes da wird Biblisches und Gegenwärtiges mitgedacht: David gegen Goliath und wie es im Text "normal" heißt Moral gegen Kapital. Und schon die Reihenfolge der antagonistischen Begriffe zeigt deutlich, wem die Sympathie des Verfassers gehört.

Dem bibliophilen Schmuckstück beigelegt ist eine Live-CD, die einen Auftritt Marons am 30. April 1983 im Bad Ischler Lokal "Der Keller" dokumentiert mit allen seinen "Klassikern", deren Themen auch heute noch aktuell sind, obwohl sie schon dem Fundus der Zeitgeschichte zugerechnet werden könnten. […]

(Erich Demmer, Rezension in: salzi.at. Salzkammergut Zeitung, 2.3.2009)


http://www.salzi.at/article/events/gmundenevents/8312/

CK:

Die Bibliothek der Provinz hat sich um eine Ikone der österreichischen Liedermacherszene verdient gemacht: In seinem neuen Buch stellt Sigi Marion Gedicht, Gedankensplitter und Kurzprosa vor, die das zentrale Motiv seines Gesamtwerkes widerspiegeln: David gegen Goliath, "Moral gegen Kapital". Der charismatische Liedermacher hat dem Buch auch einen Live-Mitschnitt seines Konzertes vom 30. April 1983 im Bad Ischler Lokal "Der Keller" beigefügt, auf dem alle seine Klassiker zu hören sind.

(CK, Rezension in: KunstSTOFF. Die Zeitung der Kulturvernetzung Niederösterreich, April 2009)