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Kurzbeschreibung

[Text:] Adelheid Dahimène. [Ill.:] Heide Stöllinger


Zuerst erzählt die Geschichte, ist da einfach nur ein grünes Viereck. Ich nenne es Wiese. Das ist hochspannend.
Die Menschen, die von oben und unten, von links und von rechts neugierig in die Geschichte hineinschauen, sagen: Das ist aber noch nicht sehr viel.

Ein bisschen mehr Jubel und Trubel bitte.


Als besonderer Lesetipp in die "Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2011" aufgenommen.


Rezensionen
Katharina Reiter:

Lesen ist ja bekanntlich Abenteuer im Kopf – und hier sogar noch ein bisschen mehr! Die vorliegende Geschichte erzählt sich selbst, ist also Erzählerin und zugleich Erzähltes. Sie spiegelt unseren ungeduldigen, sensationsgierigen Umgang mit Literatur und macht hiermit eigentlich Abstraktes auf einfache und wunderbare Art und Weise transparent, sodass es für jede und jeden deutlich erkennbar wird. Zuerst erzählt die Geschichte, ist da einfach nur ein grünes Viereck. Ich nenne es Wiese. Das ist hochspannend. Ob uns das reicht?

Da sind wir – verwöhnte LeserInnen des 21. Jahrhunderts – uns nicht ganz so sicher, und so ergeht es auch den im Bilderbuch abgebildeten Menschen, die von oben und unten, von links und von rechts – jeder Leser und jede Leserin also aus seiner bzw. ihrer ganz eigenen Perspektive – neugierig in die Geschichte hineinschauen. Sie wollen mehr Jubel und Trubel, die bärtigen Herren, die plaudernden Damen, die eisschleckenden Kinder und die Grimassen schneidenden Jugendlichen.

Auch den blauen Himmel und die gelbe Sonne, die die Geschichte dann noch dazuerzählt, finden sie zum Einschlafen fad und drücken das im Mimik und Gestik auch unübersehbar aus. Da reißt der Geschichte der Geduldsfaden und sie lässt ein schreckliches Unwetter über ihr Publikum hereinbrechen. Die Menschen pressen sich aneinander und jammern mit dem Wind um die Wette und wollen ein schnelles Ende der Geschichte. Diese nimmt noch einmal ihre ganze Erzählkunst zusammen und erzählt in einem großen Halbkreis den glänzendsten Regenbogen, den die Welt je gesehen hat. Die ungeduldigen Menschen sind versöhnt und eilen nach Hause, weil sie keine Zeit mehr haben, weiterhin zuzuhören bzw. zuzuschauen. Und da erst, als bereits alle ihre Aufmerksamkeit anderem zugewandt haben, gräbt sich der eigentliche Höhepunkt, auf den die Geschichte so wohlüberlegt zugesteuert hat, aus der Erde. Ein Maulwurf streckt seinen Kopf heraus und fragt ganz leise: "Können wir jetzt endlich anfangen?" Aber weil wir alle verlernt haben zu warten, werden wir nie erfahren, was es mit diesem auf sich hat.

(Katharina Reiter, 1000 und 1 Buch, Nr. 1/11, Februar 2011)