Warenkorb
0€ 0

Der daumenlange Hansel mit dem ellenlangen Barte

Eine schöne und unterhaltende Historie zum Zeitvertreibe in den langweiligen Winterabenden ; Erzähl- oder Vorlesebuch

Richard Pils

ISBN: 978-3-900878-12-2
21 x 15 cm, 112 S. : Ill. + Beil. (1 Ausschn.-B., Tarockkt. ([9] Bl.)); 2. Aufl.
€ 15,00
Lieferbar

In den Warenkorb

Top 10 im Webshop:

1. Hans-Peter Falkner: 890 gstanzln
2. Tamara Gillesberger: Hausapotheke für Energiearbeit
3. Franzobel: Adpfent
4. Franz Josef Stangl: Klosterzögling
5. Axel Ruoff: Apatit
6. Fritz Friedl: Wachau - Wein - Welt | Texte
7. Robert Streibel: Krems 1938 - 1945
8. Fritz Friedl: Wachau - Wein - Welt | Fotos
9. Markus Lindner: Schmelze
10. Jessica Huijnen: Impression, Der


Kurzbeschreibung

[Gesucht, entdeckt, zsgest. u. hrsg. von Richard Pils]
[Nachdr. der Ausg.] Linz 1716


Weit über dem grossen ungeheuren Weltmeere ist eine Insel oder Land, welche den Nahmen Liliputi führet. Auf dieser Insel sollen sich nun nebst vielen andern sonderbaren Dingen auch eine ganz besondere Art Menschen befinden, welche zwar sehr geschickt und erfinderisch in tausenderley Arbeiten, besonders im Stricken, Weben, Spinnen, Flechten u. a. m., jedoch aber so ausserordentlich klein sind, das die ersten Entdecker dieser Insel sie nur die spannlangen Leute zu nennen pflegten.

Diese ausserordentlich kleinen Menschen leben ohngeachtet ihrer zahllosen Menge auf dieser ziemlich großen Insel dennoch sehr glücklich und zufrieden. Sie werden von den aus allen Weltgegenden ankommenden Handelsleuten hochgeehret, und wegen ihrer Thätigkeit und Handelslust besonders geliebt, ja zu beneiden würde dieses kleine Völklein seyn, wäre nicht ein einziger Umstand, der ihre Ruhe zuweilen auf eine schreckliche Art störte.

[…]


Rezensionen
Michael Frank: Schürfarbeit im Waldviertel

Eine Wiederentdeckung: Der daumenlange Hansel

Wer ein Ohr für Volkslieder hat, dem summt vielleicht noch das vom „spannenlangen Hansel“ und der „nudeldicken Dirn“ durchs Gedächtnis: Spott- und Tanzlied zugleich, und wie so viele seinesgleichen im Grunde das letzte Kapitel irgendeiner alten Episode, einer ländlichen Schnurre - ästhetisierter Schwank oder tanzbarer Klatsch aus der Provinz. Das alte beliebte Lied vom dürren Langen und der dicken Kleinen hat gewissermaßen märchenhafte Gültigkeit.

Vielleicht dieses Lied im Ohr, hat ein Mensch mit Begabung und Geduld für Schürfarbeiten in Seelen, Landschaften und Hinterlassenschaften eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: ein Volks- und Kinderbuch mit dem Titel „Der daumenlange Hansel mit dem ellenlangen Barte“. Dieses Bändchen kam aus dem Nachlaß eines Reichen ans Licht, der sich sonst als Sammler mehr um alte Hebammenliteratur bemühte (weniger der volksmedizinischen Aspekte als der pornographischen Verwertbarkeit wegen, da das ja lange Zeit die einzige legitime Form der offenen Beschäftigung mit der Sexualität war).

In der durchaus nicht üppigen, aber langen Tradition der Volksbücher kam der „daumenlange Hansel“ mit dem Erscheinungsdatum 1716 ziemlich spät, birgt aber aus heutiger Sicht einen bemerkenswerten Schatz: Als eine Art Ur-Erzähl- und -Vorlesebuch läßt es direkt oder übertragen einen großen Teil jener Charaktere und Chargen auftreten, die sich später munter in den aufgeschriebenen Märchen und den später für Kinder erdichteten Geschichten tummeln. Den kleinen Däumling, Gulliver als Reisenden bei Riesen und Zwergen, Pinocchio, selbst den Gestiefelten Kater und andere heldenhafte, aufopfernde, liederliche und grobschlächtige Profile glaubt man da in einem ersten Umriß zu erkennen.

Richard Pils, der Entdecker des so bescheidenen wie aufregenden Bändchens, hat es in einer so schlichten wie schönen Ausgabe neu aufgelegt. Um den zerschlissenen Seiten überhaupt wieder Lesbarkeit zu verleihen, hat man im Faksimile das Schriftbild wesentlich vergrößert, wobei es einen Zusatzreiz erfährt: Der Interessierte kann nämlich den Eigentümlichkeiten des alten, teils in Blei gegossenen, teils in Holz geschnittenen Satzes nachspüren, Eigentümlichkeiten, die das schöne Unebenmaß solcher Ausgaben mitbringen. In seiner kleinen „Bibliothek der Provinz“ ist es jetzt eines der unaufdringlichen Schmuckstücke, wobei der Versuchung widerstanden wurde, aus einer „Entdeckung“ nun so etwas wie ein Prunkstück zu zaubern, das mit den alten bescheidenen Gebrauchsqualitäten nichts mehr gemein [hat.]

Pils, ein Oberösterreicher, dessen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ein gewaltiger alter Vierkanthof des benachbarten Waldviertels ist, ist einer der vielen unaufgeregten Wiederentdecker der Provinz, die dennoch die Welt als kreuzstichübersäte und mit härenem Linnen verhangene Idylle verabscheuen. Er hat sie nie in Ungnade fallen lassen, hat gegen Begradigungen, Zusammenlegungen, Abrisse und Verformungen in der Beiseite-Welt gefochten, als man noch euphorisch Zwergschulen den Bildungsidealen, Kapellen den Umgehungsstraßen und Tümpel der Flurbereinigung opferte.

So will er das 100-Schilling-Bändchen eben auch nicht als gezinkte Kostbarkeit in die Begierde des Veröffentlichungsbetriebes fallenlassen, sondern der Provinz als Gebrauchsbüchlein und als bescheidenen Schmuck zurückgeben. Die Tarock-Karten nach alten Mustern, die als Illustration, als Erzählanregung, als Spielblatt und Schmuckschnörkel beiliegen, sollen genauso den Umkreis aufrechterhalten, der sich nicht viel weiter als über Wirtshausstuben und Wohnküchen hinaus auslebte.

Dahinter steckt kein Eifer und kein Anliegen und kein Glaube, sondern die Absicht, kuriosen, schönen, raren, echten Dingen um ihrer selbst willen ein bißchen mehr von ihrer Wirkung zurückzugeben. So wie alte Vorlagen wieder vorgezogen werden, so stöbert Pils auch heutige Klein-, Alltags-, Volksliteratur auf, druckt sie, verschafft ihr im Bescheidenen Geltung. Zum Wesen der Provinz-Literatur, so sagt er, gehört eben auch der Weg ein Bachtal hinunter, über eine Wiese zu einem Bauernhaus, wo man auf den trifft, der schreibt oder dichtet.

Als Epilog hat der Verleger dem „daumenlangen Hansel“ eine Art Bekenntnis mitgegeben: „Und Provinz ist das Verhinderte, Lebendige, Gleißende, Unpädagogische, Wurzelige, das Neugierige, das Erfundene, Kranke, Geniale, Hungrige, Wütende, Glückliche, Rostige, Stumpfe, Kleine, Frierende, Freilassende, Mühsame, Nächtliche, die Moosbeere, die Kruste auf dem Apfelstrudel, das Muttermal auf Deinem rechten Schulterblatt, das Schweigenmüssen und Nichtverraten…“

Das Vorwort stammt von Töchterchen Agnes: „Wer sich unter meinen Regenschirm stellt, bekommt 150 Taler, 20 Goldstücke / tausend Silberstücke.“

(Michael Frank, Rezension in: Süddeutsche Zeitung, 6. Mai 1989)


Heiner Boehncke:

In Linz/Österreich besorgt Richard Pils eine „Bibliothek der Provinz“. Da kommen schöne Fundstücke zusammen: Der Briefwechsel zwischen Amalia und Adalbert Stifter, ein kaum bekanntes Märchen von Theodor Storm, ein Materialienbuch zu Thomas Bernhard.

Und auch die Neuausgabe eines „Erzähl- und Vorlesebuchs“ aus dem Jahre 1716. Vom „daumenlangen Hansel mit dem ellenlangen Barte“ wird in 21 Kapiteln gehandelt; eingestreut sind Ansichten doppelfiguriger Jagdtarockkarten, die auf die Zugabe weisen, die in einer Lasche im Einband versteckt ist: ein veritabler Satz kolorierter Tarockkarten nebst Ausschneidebogen, ebenfalls von 1716.

Das Buch hat es in sich. Der nicht genannte Autor hat um die Abenteuer des daumenlangen Hansel herum mit großem Collagegeschick zusammengeklaubt, was zu seiner Zeit nur irgend populär war. Märchenmotive (der Hansel ist der Däumling), Reisephantasien (Hansel stammt aus dem Land Liliput), Ritterschmonzen, Vagantengeschichten und triviale Wundergeschichten. Derart durcheinander dürften die Leute die Stoffe und Motive gern gesehen haben.

Und nicht gering war wohl die Freude, alles in neuer Verpackung wiederzuerkennen. So gewährt uns diese bibliophile Kostbarkeit einen Blick in die „unreine“ Mischung der Genres und Traditionen, in der üblicherweise erzählt wurde. Und die immense Mühe wird deutlich, die für Gelehrte und spätere Sammler darin bestand, aus dem epischen Knäuel einzelne, strikt begrenzte Märchen und Geschichten herauszulösen. Die „Bibliothek der Provinz“ sei für unerwartete Leseabenteuer dringend empfohlen.

(Heiner Boehncke, Rezension in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, [?.] Juni 1993)


Oberösterreichische Nachrichten: Kinderbuch-Rarität

Eine entzückende Rarität auf dem Kinderbuch-Sektor hat die „Bibliothek der Provinz“ im Linzer Stadtarchiv ausgegraben: „Der daumenlange Hansel mit dem ellenlangen Barte“ entstand 1716 in Linz, war seinerzeit ein Bestseller, in dem das „Urmaterial“ von Gullivers Reisen, dem kleinen Däumling oder dem Gestiefelten Kater schon enthalten war.

Es wurde in Fraktur nachgedruckt, mit Jagdtarockkarten aus dem 18. Jh. illustriert - und ist in einer originellen Kombination nicht nur ein Kinderbuch: Weil in einer Szene der Erzählung auch Kartenspieler vorkommen, wurde ein funktionstüchtiges Tarockspiel aus der Spielkartensammlung des Linzer „Nordico“ beigelegt - zusätzlich in Form eines Ausschneidebogens.

Eine originelle Buch-Idee für die ganze Familie […].

(Rezension in: Oberösterreichische Nachrichten, 29. November 1989)