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Kurzbeschreibung

Hans Christian Andersen. Ill. von Linda Wolfsgruber


Es war einmal eine Frau, die sich sehr nach einem Kinde sehnte, aber sie wusste nicht, woher sie es nehmen sollte. Da ging die zu einer alten Hexe und sagte zu ihr: "Ich möchte herzlich gern ein kleines Kind haben, willst du mir nicht sagen, woher ich das bekommen kann?" "Ja, damit wollen wir schon fertig werden!", sagte die Hexe. "Da hast du ein Gerstenkorn; das ist gar nicht von der Art, wie sie auf dem Felde des Landmanns wachsen oder wie soie die Hühner zu fressen bekommen; lege das in einen Blumentopf, so wirst du etwas zu sehen bekommen!" "Ich danke dir!", sagte die Frau und gab der Hexe fünf Groschen, ging dann nach Hause, pflanzte das Gerstenkorn, und sogleich wuchs da eine herrliche große Blume; sie sah aus wie eine Tulpe, aber die Blätter schlossen sich fest zusammen, gerade als ob sie noch in der Knospe wären.


Rezensionen
Bruno Blume:

Ein einzelnes Märchen als Bilderbuch zu veröffentlichen lässt nicht nur eine reichere Bebilderung zu, sondern nimmt die IllustratorIn auch in die Pflicht, etwas Besonderes daraus zu machen. Das ist John A. Rowe absolut gelungen. Sein Kaiser hat nichts mit den noblen, zwirbelschnäuzigen Majestäten gemein, sondern ist ganz das Kind im Manne (während seine Untertanen Tiere sind). Seine Vorliebe für Mode ist hier kindische Verkleidungslust gepaart mit dem Staunen über die eigene uneingeschränkte Macht. Und das ist wunderbar übertrieben gemalt. Beim Einkauf in London und Paris tragen neun steife Lakaien die Neuerwerbungen hinter dem kugelrund-knubbeligen, rotnasigen Kaiser her. Der ist in sieben verschiedenen Staatsroben und im Ganzkörperbadeanzug zu bewundern, was Rowe-typisch in ein wahres Farbenspektakel ausufert: angefangen bei der wuseligen Dienerschaft bis zum Ausbruch in ein wahres Volksfest rund um den nackten Kaiser. Und die Nacktheit ist hier nicht nur absolut, sondern für den Kaiser auch Anlass zu freudig possierlichen Sprüngen vor dem Spiegel. Nur ist leider die Textfassung von Bruno Hächler gut gemeint kindlich und biegt das Ende um: Der Kaiser lacht über sich selbst und erklärt den Tag des Umzugs zum neuen Feiertag.

Zwei weitere Andersen-Bilderbücher legen zum Jubiläum die großen österreichischen Illustratorinnen Linda Wolfsgruber und Lisbeth Zwerger vor. Wolfsgruber zeigt ein grazil radiertes Däumelinchen, das leider etwas steif bleibt und wenig Anreize für Sympathien bietet. Die stärksten Momente hat das Buch mit der garstigen Kröte, ansonsten bleibt es trotz schön eingesetzter Farben etwas flach. Gespannt sein dürfen wir auf ihre Interpretation zu "Der Halskragen", das demnächst im gleichen Verlag erscheint.

Zwerger verlässt sich auf das, was sie kann, und das funktioniert diesmal wieder sehr gut: Sie malt Stimmungen. Das Meer ist in unzähligen Farben allgegenwärtig, wogt und ist der Äther der MeeresbewohnerInnen, die es schützt, während es die Menschen auf ihren Schiffen trägt, wie es die Sehnsucht wiegt, die in jedem der Bilder ihre Weite und neue Nahrung findet. Die kleine Meerjungfrau ist eine der typischen zarten Zwerger-Figuren, während die Künstlerin mit der unerbittlichen Meerhexe etwas Neues bietet: Kühl berechnend erwartet diese die Nixe in ihrem Knochenschloss, breit, aufgedunsen und hässlich, aber doch bemitleidenswert. Damit bleibt die Wienerin wie mit der gesamten Umsetzung sehr nah am Text.

(Bruno Blume, Rezension in: 1000 und 1 Buch, [?])


Silke Schnettler: Die Märchensammlung des Schustersohns

[…]

Doch muss durch die Bilder nicht zwangsläufig eine altmodische Atmosphäre heraufbeschworen werden. Linda Wolfsgrubers traumhaft schöne Illustration von Andersens "Däumelinchen" (€ 18,-, Bibliothek der Provinz, Weitra 2004) verlegt das Märchen an einen zeitlosen Ort. Die Wiener Künstlerin fängt die Geschichte von dem nur daumengroßen Mädchen mit zarten Strichen auf ungewöhnlichen Bildausschnitten ein. Von der Frau zum Beispiel, die sich so sehr ein Kind wünscht, dass sie zu einer Hexe geht und dann eine winzig kleine Tochter bekommt, sind nur Kinn, Mund und Nasenspitze sowie später zwei Finger zu sehen. Das konzentriert den Blick auf die kleine Heldin, die wie so oft bei Andersen zu Großem fähig ist.

(Silke Schneller, Rezension in: Der Standard, 24.12.2004)


http://derstandard.at/1900805/Die-Maerchensammlung-des-Schustersohns