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Kurzbeschreibung

[Red.: Mella Waldstein]


Das Waldviertel ist der letzte Ausläufer eines einst riesigen Waldgebietes, das sich über Nordost-Europa bis nach Finnland erstreckte. Mit seinem Alter von rund 800 Millionen Jahren gehört das Waldviertel zu den ältesten geologischen Zonen Europas. Einst so hoch wie heute der Himalaja wurde über die Zeit von Jahrmillionen das Gebiet durch die Erosion zu seinem heutigen Erscheinungsbild geformt. Geblieben ist ein »Rumpfgebirge« bestehend aus Granit und Gneis, dessen höchste Erhebungen Peilstein, Tischberg und Nebelstein über 1.000 Meter Seehöhe reichen. Der Nordwald wurde von den Römern, die ihn nicht betraten als »Silva Nortica« bezeichnet und bedeckte Teile des Wald- und Mühlviertels sowie Südböhmen. Als größtes zusammenhängendes Waldgebiet des legendären Nordwaldes ist der Weinsberger Forst im südlichen Waldviertel um die Ortschaften Bärnkopf und Gutenbrunn geblieben.

Das Waldviertel gilt, insbesondere Dank seiner vielen Burgen und Ruinen, welche in oftmals beherrschender Lage über den Hochflächen und Talniederungen thronen, als das »Burgenviertel« Niederösterreichs. Vergleicht man aber die Anzahl der historisch, archäologisch sowie baulich überlieferten Adelssitze der Regionen mit jener der anderen Landesviertel, so zeigt sich, dass die Dichte an Herrschaftssitzen im mittel­alterlichen Waldviertel nicht höher war als in den Nachbargebieten. Der Eindruck der besonderen Burgenfülle dürfte zum einen im »Steinreichtum« des Waldviertels begründet liegen: Nach Aufgabe so mancher Burg fiel diese nicht wie in anderen Regionen dem Steinraub zum Opfer; das billige Baumaterial war für die Bevölkerung zum Teil aus näher gelegenen Steinbrüchen und anderen Quellen zu beziehen. Darüber hinaus ist das Waldviertel in erster Linie durch Höhenburgen geprägt, welche in der Neuzeit entweder zu Wohnzwecken adaptiert oder zugunsten talnaher Herrschaftsanlagen aufgegeben wurden – in beiden Fällen behielt aber die Burg weitgehend ihre charakteristische Silhouette. Im Wein- und Mostviertel hingegen wurden viele Niederungsburgen ab dem 16. Jahrhundert in Schlösser umgewandelt.


Mit Beiträgen von: Carl Aigner, Ralph Andraschek-Holzer, Nicola Benz, Eva Berger, Walter Deutsch, Erwin van Dijk, Franz Grieshofer, Otfried Knoll, Andrea Komlosy, Wolfgang Krug, Thomas Kühtreiber, Bettina Nezval, Niklas Perzi, Friedrich Polleroß, Franz Pötscher, Conrad Seidl, Anna Soucek, Franz Stürmer, Armin Thurnher, Mella Waldstein, Helga Maria Wolf.



Rezensionen
Lilly Tampier: Sprödes, schönes Waldviertel

Der Norden Niederösterreichs ist eine Region mit einer reichen Vielfalt. Land und Leute wirken auf den ersten Blick spröde und verschlossen, das Wetter scheint immer schlecht zu sein, die Natur ist rau und karg. Wie gesagt, der erste Eindruck ist nicht berauschend, aber dieser täuscht! Denn das Waldviertel ist ein lebendiger Landstrich mit Natur- und Kulturschätzen und Einwohnern, die sich von diesem durchaus mystischem Standort inspirieren lassen.

Das Buch „Das Waldviertel – Auf festem Grund“ von Mella Waldstein mit Fotos von Manfred Horvath (Mai 2009, Bibliothek der Provinz) beschreibt gut die Lebenskunst der BewohnerInnen in 21 Kapiteln – zum Beispiel von Armin Thurnher oder Nicola Benz – die diesen Landesteil mit seinen zahlreichen Facetten, seinen Burgen, Schlössern und Sagen, kulinarischen Höhepunkten, seiner Volkskultur, Religion und Literatur und seinem Handwerk porträtieren.

Das Waldviertel ist wie ein verführerischer Feinkostladen – wer einmal davon genascht hat, wird immer wieder kommen!

(Lilly Tampier, Rezension für: wien-heute.at. Die aktuelle Tageszeitung im Internet, 16.03.2011)