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Kurzbeschreibung


Der Krieg hat dem Kind alles genommen,
Vater und Mutter,
Bruder und Schwester,
die Großmutter,
das Haus, in dem es gewohnt hat,
Essen und Trinken,
Kleider und Schuhe,
die Puppe und das Spielzeug.

»Mir ist kalt, ich hab’ Angst!«
sagte das Kind
und es begann zu laufen.

Es lief
und lief
und lief.

Endlich kam es zu einem Haus.
Dort klopfte es an die Tür.


Rezensionen
Eva Faschingbauer:

Ein Flüchtlingskind sucht Hilfe und wird mehrmals abgewiesen. Erst 3 Kinder retten das Mädchen, indem sie verstecken. Die anfangs märchenhaft rührende Geschichte wird später in ein realistisches Sujet gesetzt. Ein diskussionswürdiger Stilmix vor allem in den Bildern zu einem hochaktuellen Thema.

Wie im Märchen irrt anfangs das Kind, dem der Krieg alles genommen hat, durch eine einsame Gegend. Dreimal klopft es an Türen und erfährt nur vorübergehend Hilfe. Die geliehenen Kleider muss es zurückgeben. Bis hierher ist die Geschichte in kurzen eindrucksvollen Texten und großzügigen Aquarellen symbolhaft gestaltet und erinnert an zahllose mehr oder weniger rührende Geschichten mit meist gutem Ausgang. Die Wende kommt in der Mitte des Buches, die etwas archaisch anmutenden gemalten Bilder werden nun von kolorierten Zeichnungen im Stil von Umweltgeschichten abgelöst. Die Seiten sind hier ausklappbar und der Betrachter erfährt eine gewisse "Breite" (der Zuwendung): Eine Mutter mit Kindern nimmt das Mädchen seufzend auf. Ab hier verändert sich das Ambiente, Kinderzimmer, Spielzeug und Alltagsgegenstände beherrschen die Zeichnungen, die nun mehr Ausschnitte aus dem Kinderleben wiedergeben. Die Kinder verstecken das fremde Kind um es zu retten. Spätestens hier werden Assoziationen geweckt, die nicht nur auf gegenwärtige Probleme hinweisen, sondern düstere Einblicke in eine unbewältigte Vergangenheit aufkeimen lassen.

Es besteht kein Zweifel, dieses Bilderbuch hat höchst brisante gesellschaftspolitische Hintergründe und wird zum Gespräch anregen. Problematisch scheint mir nur die Vermischung von märchenhaften und realistischen Elementen, die so nicht haltbar sind. Einerseits wird tiefe Einsicht in menschliches Elend und Versagen gegeben, andererseits eine scheinbare Realität beschworen. Ein diskussionswürdiges Bilderbuch, gerade in unserem Land, hier und jetzt!

(Eva Faschingbauer, Rezension in: 1000 und 1 Buch, [?])


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=8035&rezid=8625