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Kurzbeschreibung

Photogr. Gerhard Trumler. Essay Kristian Sotriffer. Texte Hans Haid u.a.
[Bunte Steine : Bergkristall] / Adalbert Stifter


Das Hier und Jetzt ist der Stoff des Photographen. Am Auslöser ist unweigerlich Gegenwart. Gerhard Trumler sucht in dieser Gegenwart seine Motive, die Relikte einer vergehenden, ja vergangenen Zeit sind: die letzten Zeugnisse und Zeugen einer Welt, die sich der Moderne zuwendet und damit alles Regionale löscht. Der bröckelnde Putz, die morschenden Bretter eines Bauernhauses, die uralten Handwerker und Bauern, immer wieder gefurchte Gesichter und Äcker, schwielige Hände, Rauchkucheln und Öfen. Hymnen auf die Kittelschürze!

Gerhard Trumler kommt kurz bevor es das alles nicht mehr gibt: getäfelte und gekalkte Stuben, kariertes Bettzeug, Herzjesu- und Herzmariäbilder, Walzen- und Schablonendekor in den Kammern, marode Herrgotte an den Wegen. Das ist der Nachsommer der Heimat, das "Land vor dem Winter".

Und immer wieder der vertrauensvolle Blick in die Kamera. Bei allem Respekt vor der jenseitige Ewigkeit vermittelnden Macht des Pfarrers doch die Hoffnung, daß der Photograph dem Dasein hiesige Dauer verleihen wird! Er raubt das Bild, aber er schenkt Menschen und Dingen Nachleben. Den vergänglichen Menschen mitsamt ihrem hinfälligen Lebenswerk gibt dieser Photograph ein Bleiben, und es scheint ein Widerspruch, daß er auch das, was selbst mahezu ewig scheint, die mächtigen Gebirge der Alpen, der Vergänglichkeit überantwortet. Waren es zuerst die Granitgebilde in den Wäldern des Wald- und Mühlviertels (»Granit« und »Katzensilber«), so sind es in »Bergkristall« neben Menschen und Menschenwerk die oft drohend herabblickenden "gräßlichen" zackigen und schroffen Bergriesen. Der ewige und unverrückbare Fels wird Blatt, wird flüchtiges Bild, das angewiesen ist darauf, vom Lichtbildner fixiert zu werden. Diesen Widerspruch lebt der Photograph Gerhard Trumler ratlos. Er hält in seinen Photographien fest, was zu vergehen droht: das einfache Leben, die mürbe Schönheit der Natur.

Am Auslöser ist unweigerlich Vergangenheit.

(Martin Ortmeier)