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Kurzbeschreibung

[Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich ; 21]


Im Jahr 2000 wären die beiden für die oberösterreichische Hausforschung des 20. Jahrhunderts wichtigsten Repräsentanten 100 Jahre alt geworden. Adalbert Klaar und Rudolf Heckl, beide 1900 geboren, gaben der bisher zwischen Formalismen und stammesmäßigen Zuordnungen schwankenden Interpretation von Häusern und Gehöften im Land ob der Enns eine neue, historisch-technisch ausgerichtete Dimension.

Der „runde“ Geburtstag der beiden Forscher war Anlass, eine Zusammenfassung und Neubewertung ihrer Arbeiten zu beginnen. Während der wissenschaftliche Nachlass Adalbert Klaars in seiner Gesamtheit unpubliziert geblieben ist, sollte wenigstens das in der Volkskunde-Abteilung des OÖ. Landesmuseums erhaltene Material des so genannten „Heckl-Archivs“ gesichtet und für eine Veröffentlichung vorbereitet werden.

Als erster Schritt bot sich die Ordnung und Zusammenfassung der umfangreichen Sammlung von Foto-Negativen an, die ungefähr 2500 Stück mit einschlägigen Inhalten umfasst. Eine Gliederung des Materials nach „Haus“- und „Gehöftlandschaften“, wie zum Beispiel in Heckls „Baufibel“, wäre – nicht zuletzt wegen der Gehöft-Mischformen mit großen Interpretationsspielräumen und oftmals nicht klar erkennbaren Formen – unübersichtlich und wissenschaftlich zu wenig präzise gewesen. Im Bewusstsein, dass Haus- und Gehöftformen in den seltensten Fällen mit Verwaltungsgrenzen übereinstimmen, wurde dennoch zwecks besserer Zuordnung und Gliederung des Materials eine Ordnung nach Verwaltungsbezirken und Ortsgemeinden vorgenommen. Bei dieser Neuordnung der Negative, die von Heckl mit fortlaufenden Eingangsnummern, also nicht geografisch geordnet, versehen wurden, konnte festgestellt werden, dass manche Bezirke stark, manche nur schwach oder gar nicht repräsentiert waren. Um dennoch ein für ganz Oberösterreich zusammenhängendes und möglichst flächendeckendes Bild zu erhalten, musste Fotomaterial gefunden werden, das sowohl vom motivlich-inhaltlichen, als auch vom fototechnischen Standpunkt her den Aufnahmen Heckls ebenbürtig ist. Die überwiegend zeitgleich zu den Fotografien Heckls im Rahmen der Erhebungen der „Forschungsstelle Deutscher Bauernhof“ entstandenen Aufnahmen von Max Kislinger bilden die gesuchte, ideale Ergänzung. Eine weitere, den genannten Kriterien entsprechende Erweiterung erfolgte fallweise durch Aufnahmen aus dem Bautenarchiv des Verfassers.

Insgesamt konnte aus einer Zahl von ungefähr 6000 Negativen, die nun erstmals in digitalisierter Form vorliegen, ein annähernd flächendeckendes Gesamtbild über das Aussehen der Bauernhöfe Oberösterreichs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erstellt werden.

Bauernhöfe sind wie lebendige Organismen, die sich den jeweiligen Gegebenheiten anpassen müssen. Das war durch die Jahrhunderte seit der Kolonisation und Erst besiedlung des Landes in mehreren Entwicklungs- und Umformungsschüben bis in das 20. Jahrhundert der Fall. Seit dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die wohl einschneidendste Umwälzung im Bereich der Landwirtschaft und somit auch im dazugehörigen Bauwesen. Die überwiegende Mehrzahl der hier im Sinne einer Momentaufnahme vorgestellten Bauten existiert heute – wenn überhaupt – bestenfalls in stark modi fizierter Form. Die ab den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts entstandenen Neu bauten wurden häufig nach neuen Gesichtspunkten der Landwirtschaftstechnik und einer sich am städtischen Vorbild orientierenden Wohnkultur errichtet. Leopold Schmidt meinte hiezu schon im Jahr 1975: „Einige Jahrzehnte hindurch hat man sich bemüht, den Bauernhauslandschaften angepaßte neue Wirtschaftshöfe zu planen. Das ist alles von der technischen Entwicklung über den Haufen gerannt worden“.

Die vorliegende Zusammenfassung ist daher nicht als Fortsetzung der „Baufibel“ Rudolf Heckls oder der Musterplanungen von Franz Koll anzusehen, sondern soll ausschließlich als Teil einer Gesamtdokumentation der oberösterreichischen Baukultur verstanden werden. Nach ersten Vorarbeiten, die vielfach im Sinne des „Heimatschutzes“ in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstanden sind, sollte während des „Dritten Reiches“ eine breit angelegte Forschungsarbeit einsetzen. Diese durch die Auswirkungen des Krieges behinderten und schließlich vorzeitig beendeten Arbeiten wurden nach 1945 nicht wieder aufgenommen. Die im Anhang zu dieser Einleitung wiedergegebene Darstellung der Ereignisse durch Rudolf Heckl, die letztendlich zum Entstehen des vorliegenden Bildmaterials geführt haben, wird erstmals im vollen Wortlaut gebracht. Sie bietet nicht nur einen Einblick in die Forschungsgeschichte, sondern ist auch zeitgeschichtlich interessant.

Für die Herausgabe einer „Geschichte des Volks-Bauwesens in Oberösterreich“ wären im Sinne einer interdisziplinären haus- und baukundlichen Schichtenforschung wesentlich weiter ausgreifende Darstellungen erforderlich. Vor allem ein näheres Eingehen auf bisherige einschlägige Publikationen muss an dieser Stelle – nicht zuletzt wegen des zu erwartenden Umfanges – unterbleiben. Aber als Baustein einer solchen Zusammenfassung sind die hier vorgestellten Aufnahmen von Rudolf Heckl und Max Kislinger zweifellos unentbehrlich.