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Kurzbeschreibung

Steffi Schäffer. Mit Fotos v. Lisa Bolyos
Bäuerinnenkalender 2007 : immerwährender Kalender

12 Bäuerinnen erzählen aus ihrem Leben, wie es gekommen ist, dass sie Bäuerinnen wurden und warum sie diesen Beruf heute noch einmal ergreifen würden.


Unser Besuch bei Michaela Jöbstl gleicht einem Überfall, hat die Winzerin uns doch bereits am Vortag erwartet. Nichtsdestotrotz führt sie uns gleich in ihr Verkostungsstüberl, in dem wir uns augenblicklich in kaiserliche Zeiten zurückversetzt fühlen. Dass grün und gold ihre Lieblingsfarben sind, ist nur schwer zu übersehen. Nach zwei Gläschen Wein verabreden wir uns erneut für den späten Nachmittag. Wir fahren in den nahe gelegenen Weinberg von Frau Jöbstl. Mal geschäftig, mal in Pose, aber immer mit Esprit, erzählt uns die Winzerin aus ihrem Leben, und die Worte spudeln nur so aus ihrem Mund.

Nach der Volksschule in Langenlois und dem Unterstufengymnasium in Wien verbrachte Frau Jöbstl noch zwei Jahre auf dem Gymnasium in Krems, ehe sie sich dann nach der 4. Klasse entschied, die Weinbauschule in Krems zu besuchen. Wein hat sie schon immer fasziniert, und ihr Wunsch, Winzerin zu werden, war größer als der Wille ihres Vaters, der glaubte, seine Tochter sei als Mädchen zu schwach für diesen Beruf, und es deshalb lieber gesehen hätte, wenn Michaela Jöbstl Biologie studiert hätte. Nach einer dreijährigen Ausbildung an der Fachbauschule für Weinbau legte die noch nicht einmal 20jährige Michaela die Prüfung zur Winzerin ab.

Dann zog es die junge Frau nach Rom, wo sie die folgenden vier Jahre in einem Gästehaus des deutschen Ritterordens arbeitete. Während dieser Zeit lernte sie nicht nur die Sprache, sondern machte zusätzlich die Bekanntschaft zahlreicher interessanter Leute.

Als ihr Vater an Lungenkrebs erkrankte, kehrte Michaela Jöbstl nach Langenlois zurück und übernahm am 1. April 1987 mit gerade mal 22 Jahren den Betrieb. Auch wenn er nicht mehr arbeiten konnte, so hat der Vater sie doch mit all seinem Wissen unterstützt, „und dass ich eine so starke Winzerin geworden bin, habe ich eigentlich nur ihm zu verdanken.“

Trotzdem war es für die damals junge Frau nicht immer leicht, sich in einer männlich dominierten Branche zu behaupten. „Ich habe mir da ganz schön was anhören müssen von meinen Berufskollegen – das ist eine harte Branche.“ Doch sie hat sich nicht einschüchtern lassen, hat ihren Weg und ihren Platz gefunden, und der Stolz in ihrer Stimme ist nicht zu überhören, wenn sie sagt: „Heute lache ich, weil heute bin ich souverän.“


Rezensionen
Paula Bolyos:

Porträts von jungen und alten, kinderlosen oder solchen mit Kind, alleine, zu zweit oder kollektiv lebenden Bäuerinnen. Stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotos der Frauen in Aktion von Lisa Bolyos und spannende Lebensgeschichten auf der Rückseite der Kalenderblätter, aufgeschrieben von Steffi Schäffer machen diesen Wandkalender zu einem, der tatsächlich jedes Jahr aufs Neue erfreut.

(Paula Bolyos, Rezension in: WeiberDiwan. Die feministische Rezensionszeitschrift, Herbst/Winter 2008)


http://www.weiberdiwan.at/files/WeiberDiwan__2008-02__Herbst_Winter.pdf