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Kurzbeschreibung

Doris Mühringer. [Ill. und Umschlag von Angelika Kaufmann]


Rezensionen
Heidi Lexe: Das Zittern der Seelenhaare

Das Geheimnis scheint etwas ganz und gar Anachronistisches zu sein: Wer sich zwischen Girls-Camp und Container bewegt, wird wohl kaum die Seelenhaare zittern spüren. Mit ihrer flirrenden Reise zwischen Irland und Indien jedoch legt die österreichische Lyrikerin genau diese Seelenhaare frei und schlägt dabei einen weiten Bogen von imaginierten Reisen dorthin, wo der Kaiser von China lebt, ebenso wie dorthin, wo alles mit "Es war einmal" beginnt: Eine weiße Porzellanbrücke beginnt leise zu sirren, wenn eine greise Porzellanmücke "ruht überm pflaumenblaublütigen Teich / vom Fliegen im chinesischen Reich". Dieses leise Sirren zieht sich durch alle Gedichte, ein stetes Hinhören setzt an, ein sich Erinnern, ein Erforschen kleiner Winkel in großen Welten. Vor der Haustür sollen wir kurz innehalten, sollen "wir sanft mit unserer Seele verkehren / sollen die Narben glätten und fragen, wieviele / Wunden noch schwären". Geschwätzige Landkarten und Tapetenschlummerlieder breiten den Weg vom Land, welches "ist weit und erika / ich glaub es heißt Amerika" bis dorthin wo es heißt: "Schau, da ist die Papageienfrau / und der Mann, der im Mond wohnt, / und das Vöglein Leide auf der Weide." Ganz im Rhythmus der Gedichte lässt ein lyrisches Ich seine Gedanken frei, um sie in einer gleichmäßig-tänzerischen Bewegung wieder zurück auf die durch den Titel vorgestellte Wiese zu holen: Schirmchenartiger Blütenstaub schwirrt zwischen den von Angelika Kaufmann aus fasrigem Papier gerissenen Grashalmen und zieht die LeserInnen mit sich - dorthin wo ein Herz, ein Fisch aus dem Rahmen fallen und Taubenauge im Entschweben seiner selbst als Igel gewahr wird.

Angelika Kaufmann nimmt das Zittern der Seelenhaare in ihre Illustrationen auf, würfelt zusammen, schiebt auseinander und gibt den Blick durch verschlungene Risse und Wolkenlöcher frei. In ihre zarten Farben nehmen sich die Illustrationen bewusst zurück, als würden sie nur darauf hinweisen, wie schön diese Kinder-Gedichte sind, als würden sie nur etwas zum Schwingen bringen wollen, worauf wir schon selbst hören müssen: "Dieser meiner Flöte hier im Grase ist die Seele tief erschrocken, / heute schweigt sie, morgen steigt sie, übermorgen / wird sie wieder dich zum Tanz verlocken."

(Heidi Lexe, Rezension in: 1000 und 1 Buch, [?])


http://www.biblio.at/rezonline/ajax.php?action=rezension&medid=9886&rezid=10833