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Kurzbeschreibung

Ausstellung u. Katalog kuratiert von Barbara Wally


In den letzten zehn Jahren tauchten in der Fernsehwerbung immer häufiger Wassermotive auf. Mit Wässern wurde für verschiedene Produkte geworben, die sehr nahe mit dem menschlichen Körper verbunden sind. Zunächst fielen vor allem Videospots für Duschgel und Badezusätze (Seife gibt es in der Werbung ja fast nicht mehr) mit Schwällen und Strömen von Wasser auf. Das Wasser umspült mit oder ohne Schaum schöne nackte weibliche und männliche Körper, vorzugsweise unter der Dusche, die oft outdoor wie ein exotischer Wasserfall, oder in der Meeresbrandung inszeniert ist. Duschen – das ist Reinheit, Frische, Erotik, Sex und Energie, die der unaufhörliche Wasserschwall spendet. Duschen wird zum erlösenden, „porentief“ reinigenden und erneuernden Ritual erhoben, es findet nicht nur morgens nach dem Aufstehen oder abends nach der Arbeit statt, sondern wird zur autonomen Tätigkeit erhoben, bei welcher der Mensch sich etwas Gutes tut, indem er seinen Körper dem (warmen) Wasserschwall aussetzt.

Gleichzeitig kam auch das Wassertrinken – ausgehend von den USA – wieder zu höchsten Ehren. Urbane junge Leute haben im Stadtverkehr, am Arbeitsplatz und in der Freizeit stets eine Halbliter-Plastikflasche dabei und nehmen alle halbe Stunde ein paar Schluck Mineralwasser zu sich – so wie es unter Alpinsportlern bei langen Touren oder beim Marathonlauf üblich ist. Das Trinkwasser unterscheidet sich vom Duschwasser in der Werbung durch prickelnde Frische, es muss vor allem kalt sein, wichtig ist auch des Geräusch des Sprudelns und aufeinander Prallens von glitzernden Eiswürfeln. Aufwärts drängende Gasbläschen in der Flasche oder im Glas suggerieren Frische und Jugend. Während also Duschwasser (mit Duschgel) die Rundumerneuerung des Körpers von außen und seine Aufladung mit (sexueller) Energie verspricht, propagiert der Mineralwassertrunk die entsprechende Innenreinigung, Gesundheit und Coolness.